Ärzteschaft

Wilke setzt bei Hausärztemangel in Brandenburg auf Kommunen

  • Freitag, 5. Juni 2026
Rene Wilke (SPD), Brandenburger Minister für Arbeit und Gesundheit /picture alliance, Soeren Stache
Rene Wilke (SPD), Brandenburger Minister für Arbeit und Gesundheit /picture alliance, Soeren Stache

Potsdam – Brandenburgs Gesundheitsminister René Wilke (SPD) setzt bei der Suche nach neuen Hausärzten verstärkt auf die Kommunen. „Perspektivisch wird es wohl so sein, dass die Frage der medizinischen Versorgung ähnlich betrachtet werden muss wie die Wirtschaftsförderung“, sagte Wilke gestern im Gesundheitsausschuss des Brandenburger Landtags.

Bislang habe es in der kommunalen Familie immer die Grundhaltung gegeben: „Die medizinische Versorgung ist nicht unser Business.“ Das hänge damit zusammen, dass die Kommunen für diesen Bereich keine Finanzierung erhielten.

Das gelte aber auch für die Wirtschaftsförderung: Niemand finanziere sie, und dennoch werde es in den Kommunen gemacht. „Weil es Arbeitsplätze und Attraktivität bringt“, sagte Wilke. „Kommunen werden die medizinische Versorgung künftig als Aufgabe sehen müssen, um als Lebensort attraktiv zu sein.“

Im Gesundheitsausschuss zeigte sich Wilke über die Versorgungssituation bei den Hausärzten „besorgt“. Im Land gebe es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBB) derzeit mehr als 300 unbesetzte Versorgungsaufträge. In 21 von 46 Regionen drohe eine Unterversorgung.

„Wir haben einen demografischen Druck von zwei Seiten: Die Ärzte werden älter und gehen in den Ruhestand – und die Patienten werden älter, und bräuchten eigentlich mehr Ärzte“, so Wilke. „Wenn man in einer Region möchte, dass sie für Ärztinnen und Ärzte attraktiv sein soll, braucht man verschiedene Arten der Niederlassung.“

Perspektivisch würden MVZ und Polikliniken zunehmen. Auch Freizeitangebote und die „Rundumattraktivität von Orten“ seien ein entscheidender Faktor bei der Gewinnung medizinischen Personals. „Wir werden erleben, wie Tätigkeiten stärker aufgeteilt werden“, sagte Wilke. Künftig werde es Community Health Nurses oder Ärztliche Assistenten geben. „Nicht alles, was die Ärzte heute machen müssen, werden Ärzte perspektivisch selbst machen müssen.“

Generell zeige die Situation bei den Hausärzten, wie wichtig es sei, mit der GKV-Reform des Bundes das ambulante System nicht weiter zu schwächen und die Rolle der Krankenhäuser in der ambulanten Versorgung weiter zu stärken. Insgesamt bleibe die hausärztliche Versorgung aber eine der größten Herausforderungen in der Brandenburger Gesundheitspolitik.

benl

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