Zuckersteuer: Analyse sieht positive Effekte für Kinder und Jugendliche

Berlin – Eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke hat auf Kinder und Jugendliche offenbar positive Effekte. Bei Erwachsenen gibt es unterschiedliche Ergebnisse. Zu diesem Ergebnis kommt die Analyse einer Literaturübersicht des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP).
„Relativ konsistent“ zeigten sich demnach positive Effekte bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Steuerdesigns, die Anreize zur Reformulierung durch die Hersteller setzen, etwa durch gestaffelte Steuersätze nach Zuckergehalt. Zudem deuten nach Aussagen des WIP mehrere Studien darauf hin, dass gesundheitliche Gewinne in sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen teilweise höher ausfallen können.
Insgesamt fällt die Evidenz aus Sicht des Autorenteams zu den gesundheitlichen Effekten aber uneinheitlich aus. „Simulationsstudien – darunter mehrere für Deutschland – prognostizieren teils erhebliche langfristige Verbesserungen, etwa geringere Prävalenzen von Adipositas, Typ-2-Diabetes und Karies sowie Einsparungen bei Gesundheitskosten“, schreibt das WIP.
Beobachtungsstudien aus Ländern mit bereits eingeführter Zuckersteuer zeichneten hingegen ein heterogenes Bild: „Während einige Untersuchungen messbare Verbesserungen feststellen, finden andere keine oder nur geringe Effekte, insbesondere bei Erwachsenen.“
Grundsätzlich, so die Einschätzung der WIP-Autoren, sei eine Zuckersteuer ein Eingriff in die Konsumentscheidung. Daher sei es wichtig, den Nutzen von Alternativen wie mehr Aufklärung und einer besseren Kennzeichnung zu prüfen. Das WIP bezeichnet eine Zuckersteuern auch als „potenziell regressiv“, da Haushalte mit niedrigerem Einkommen relativ stärker belastet werden.
Der Zuckerkonsum in Deutschland liegt deutlich über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese empfiehlt für Erwachsene maximal 25 bis 50 Gramm freien Zucker pro Tag. Im Durchschnitt konsumieren Männer in Deutschland täglich 78 Gramm und Frauen 61 Gramm freien Zucker.
Deutschland braucht nach Ansicht der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina eine Strategie gegen die zunehmende Fettleibigkeit der Bevölkerung. Ein Element sei eine höhere Steuer auf zuckerhaltige Lebensmittel. Auch Ärzteorganisationen wie die Bundesärztekammer oder die Kassenärztliche Bundesvereinigung setzen sich für eine Zuckersteuer ein.
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