Ärzteschaft

KV Bremen veröffentlicht Erfahrung von Niedergelassenen zu Gewalt in Praxen

  • Mittwoch, 31. Juli 2024
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Bremen – Gewalt in Krankenhäusern und Notaufnahmen hat zugenommen, das gilt auch für Arztpraxen. Dort laufen die Übergriffe aber zumeist unter dem Radar. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Bremen hat bei den Niedergelassenen nachgefragt, welche Erfahrungen es mit dem Problem gibt.

Die Einsendungen zeigen, dass auch Arztpraxen mit dem Problem zu kämpfen haben. In der nicht repräsenta­tiven Erhebung der KV Bremen berichten „viele von ständigen Beleidigungen aber auch Angriffen“, heißt es in einem Landesrund­schrei­ben der KV. Der Eindruck ist demnach, dass es nicht zuletzt durch die Coronakrise schlimmer geworden ist.

„Die Coronazeit war das schlimmste was ich in 30 Jahren im MFA Job erlebt habe! Mittlerweile arbeite ich nicht mehr als MFA in einer Praxis. Beschimpfungen, ständiges Motzen, Beleidigungen und Drohungen waren an der Tagesordnung. Patienten sind frech, unverschämt und fordernd”, schreibt eine MFA aus Bremen.

„Es gibt fast tägliche verbale Entgleisungen der Patienten gegenüber dem Personal, wenig Rücksichtnahme auf ältere gehbehinderten Patienten, trotz Angebot einer Notfallsprechstunde absolutes Unverständnis, dass der Patient nicht sofort und ohne Wartezeit behandelt wird (echte augenärztliche Notfälle wie Verätzungen etc. sind hier nicht gemeint!). Es wird eine schlechten Beurteilung der Praxis im Internet angekündigt”, schreibt eine Ärztin aus Bremen.

Ein Urologe berichtet von einer Auseinandersetzung mit einem Patienten, die in Drohungen endete. Nachdem der Arzt angekündigt hatte, die Polizei zu verständigen, habe der Patient gesagt: „Ich habe Freunde bei der Russenmafia, die fackeln dir deine Praxis ab”. Er habe daraufhin seine MFA gebeten, die Polizei zu rufen. „Bevor diese eintraf, hatte der Patient die Praxis schimpfend verlassen. Ich habe bei der Polizei Anzeige erstattet.”

Eine Ärztin berichtet, ein Patienten hätte wegen einer gesperrten Krankenversicherungskarte eine Ersatzbe­scheinigung besorgen sollen. Daraufhin sei er laut geworden und habe gedroht, der Praxisimitarbeiterin „eins auf die Schnauze zu hauen“. Sie habe den schreienden Patienten der Praxis verwiesen uns sei als „Fotze“ und „Hure“ beschimpft worden. Der Patient habe weiter von außen an die Fensterscheiben geschlagen.

„Immer wieder kommt es zu Beschimpfungen durch Patienten, egal welchen Geschlechts oder welcher Natio­nalität. Die schönen und freundlichen Begegnungen überwiegen jedoch, auch wenn der Umgang insgesamt, so wie wir es auch in anderen Alltagssituationen erleben, ein rauer geworden“, schreibt sie weiter.

Eine MFA aus Bremen berichtet, verbale Gewalt erfahre sie mehrmals täglich. Deeskalationsversuche schei­tert­en häufig, weil das Aggressionsverhalten bei Patienten zunehmend steige. „Verbale Gewalt nimmt stetig zu und wird oft unterschätzt.“

Eine Ärztin berichtet, sie sei nach einer Diskussion mit dem Vater eines Kindes weggeschubst worden. „Lusti­ger Nebeneffekt: der Polizist, den ich gerufen hatte, erklärte mir dann, wenn es nicht weh getan habe, sei es keine Straftat. Er erlebe Schlimmeres in seinem Dienst.”

„Patienten beschimpfen inzwischen fast täglich unsere MFAs, wenn nicht sofort auf alle Wünsche, Extrawün­sche und Forderungen eingegangen wird. Sie drohen sowohl verbal als auch schriftlich mit schlechten Google Bewertungen, Beschwerden oder Anzeigen beim Rechtsanwalt“, erklärte eine Ärztin aus Bremerhaven. Sie be­richtet von einer eingetretenen Scheibe, weil man im Rahmen der Mittagspause die Tür nicht geöffnet habe.

„Es gibt Tage, da haben unsere MFAs Angst in die Praxis zu gehen, da sie befürchten müssen wieder in verbale Auseinandersetzungen zu geraten. Auch ich habe zunehmend das Gefühl nur noch Wunscherfüller zu sein, und wird dieses nicht durchgeführt, werde auch ich persönlich beschimpft.“ Sie sei seit 17 Jahren hausärztlich nie­dergelassen und denke vermehrt über eine Alternative zu diesem Beruf nach, um sich nicht mehr im Praxis­alltag rumärgern zu müssen.

Die KV Bremen appellierte an das Bundesministerium für Justiz (BMJ), in eine geplante Verschärfung des Strafrechts explizit auch Niedergelassene zu erwähnen. In einem Vorstoß aus dem BMJ sind Praxen bisher nicht explizit erwähnt.

„Wir fordern Bundesjustizminister Marco Buschmann auf, Ärzte, Psychotherapeuten und ihre Mit­arbeiter explizit in den Gesetzesentwurf aufzunehmen und ihnen ebenfalls strafrechtlichen Schutz bei der Ausübung ihrer Tätigkeit zukommen zu lassen“, hieß es auch von den Vorständen der KV Bremen, Bernhard Rochell und Peter Kurt Josenhans.

may

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