Ärzteschaft

Ärzte positionieren sich für Koalitions­verhandlungen in Niedersachsen

  • Dienstag, 24. Oktober 2017

Hannover – Nach der Landtagswahl in Niedersachsen positioniert sich die Ärzteschaft jetzt für die Koalitionsverhandlungen. Ein Fokus: Der Ärztemangel im Land. „Um die ärztliche Versorgung in Niedersachsen langfristig zu sichern, fordere ich die im Landtag vertretenen Parteien dazu auf, dem drohenden Ärztemangel konsequent entgegen­zusteuern“, sagte die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Martina Wenker, heute in Hannover. Sie warnte davor, die ärztliche Versorgung zu sehr auf Einwanderer zu stützen. „Diese Ärzte fehlen dann für die ärztliche Versorgung in den Herkunfts­ländern – zum Beispiel in Rumänien, Bulgarien, der Ukraine oder Griechenland“, so Wenker.

Laut der Kammer arbeiteten in Niedersachsen im vergangenen Jahr 4.327 ausländische Ärzte. 2013 waren es noch 3.282 gewesen. Wenker mahnte, wegen der anstehenden Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden zehn bis 15 Jahren werde der Ärztemangel bald „eine problematische Dimension“ erreichen. „Auf der einen Seite kommen viele aktive Ärzte in das Rentenalter, und auf der anderen Seite steigt der Versorgungsbedarf, weil ältere Menschen bekanntlich mehr medizini­sche Unterstützung benötigen“, so die Kammerpräsidentin.

100 Plätze mehr für Niedersachsen

Deswegen sei es unabdingbar, mehr Ärzte auszubilden. „Wir benötigen 1.000 neue Medizinstudienplätze deutschlandweit, an den niedersächsischen Hochschulen mindestens 100“, forderte Wenker mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen in Hannover und Berlin. In den vergangenen 25 Jahren sei die Zahl der Studienplätze dagegen massiv gesunken – von rund 16.000 auf mittlerweile nur 9.000 bundesweit.

Die Voraussetzungen dafür, die Medizinerausbildung aufzustocken, sind in dem Bundesland gegeben, unter anderem durch die 2012 neu gegründete European Medical School an der Universität in Oldenburg. Diese erhofft sich von der neuen Landesregierung eine deutliche Unterstützung für ihre länderübergreifende Medizinerausbildung zusammen mit der Universität Groningen.

„Wir haben den großen Wunsch, dass bei den Koalitionsgesprächen auch ein klares Bekenntnis zur Stärkung der Nordwest-Medizin in Oldenburg formuliert wird“, sagte Hans Gerd Nothwang, Dekan für Medizin und Gesundheitswissenschaften an der Universität Oldenburg zum Auftakt des 1. Oldenburger Tag der Allgemeinmedizin vergangene Woche.

hil

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