KV Niedersachsen und Städte- und Gemeindebund entwickeln Konzepte gegen Ärztemangel
Hannover – Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen und der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) haben Mitte Juni eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um gemeinsam wirksame Konzepte gegen den Ärztemangel insbesondere in ländlichen Regionen zu entwickeln.
Im Vorfeld hatte eine Rede von NSGB-Präsident Marco Trips auf der Mitgliederversammlung des Bundes am 31. Mai 2017 in Harsefeld für Irritation gesorgt. „Wir fordern eine gemeindescharfe hausärztliche Versorgung für jede Gemeinde in Niedersachsen ein. Es kann nicht sein, dass sich der Staat Ärzte ausbildet, die sich dann in den Großstädten ballen und der ländliche Raum hinten runterfällt. Wir fordern einen Rechtsanspruch auf den Hausarzt in der Gemeinde. Die Sicherstellung ist Sache des Landes Niedersachsen und der Kassenärztlichen Vereinigung, jedenfalls sicher nicht für 50.000 Euro Förderung zu haben“, sagte Trips laut Redemanuskript auf der Mitgliederversammlung.
Kein Anspruch ohne angemessene Honorierung
„Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren“, kommentierte jetzt der Sprecher des Bundesverbandes Niedergelassener Fachärzte (BVNF), Wolfgang Bärtl, die Forderung, das Problem verwaister Landpraxen mit einem Zwangsgesetz zu lösen. Ohne angemessene Honorierung könne es keinen Anspruch auf einen Arzt vor Ort geben, betonte der Verband.
Die KV des Bundeslandes sieht dies jedoch weniger kritisch. „Eine solche Forderung ist politisch vollkommen legitim“, sagte ein Sprecher der KV auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts. Einen Rechtsanspruch zu fordern bedeute schließlich nicht, Ärzte unzureichend zu vergüten. Die KV habe sich die Forderung aber nicht zu eigen gemacht, „weil wir wenig Hoffnung haben, dass das umgesetzt wird – das ist ein Stück unrealistisch“, erklärte der Sprecher.
Größere Erwartungen als politische Forderungen sieben Monate vor der Landtagswahl im Januar hat die KV an die gemeinsame Arbeitsgruppe. Nach dem Auftakttreffen Ende vergangener Woche waren die Bürgermeister sowie Vertreter der KV Niedersachsen sich darin einig, dass zusätzliche Medizinstudienplätze geschaffen werden müssen.
„Wenn wir es heute nicht schaffen, ausreichend Studienplätze bereitzustellen, dann fehlen uns morgen die Ärzte. Daher muss sich bei diesem Thema dringend etwas bewegen, denn nur so kann in Zukunft eine ausreichende medizinische Versorgung der Menschen im ländlichen Raum sichergestellt werden“, erklärte Trips nach dem Treffen.
Außerdem fordert die NSGB, die hausärztlichen Planungsbereiche deutlich kleiner zu fassen und damit die tatsächliche Versorgungssituation in den Kommunen besser abzubilden. „Unstrittig war, dass der Sicherstellungsauftrag für die Ärzteversorgung bei der KVN, nicht den Städten, Gemeinden und Samtgemeinden liegt“, betonte der Städte- und Gemeindetag.
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