Ärztekammern mahnen schnelles Handeln gegen Arzneimittelengpässe an

Berlin – Die Ärztekammern Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sorgen sich weiterhin um Engpässe bei Arzneimitteln. Sie rufen den Bund auf, zügig Abhilfe zu schaffen.
Per Resolution rief die Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen das Bundesgesundheitsministerium auf, wachsende Arzneimittelengpässe zu bekämpfen. Es sei dringend geboten, dieser Gefährdung von Patientinnen und Patienten entgegenzuwirken, teilte die Ärztekammer am Wochenende mit.
Fast 500 Meldungen zu Lieferengpässen von Arzneimitteln dokumentiere die Datenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte derzeit – dies sei ein großes Risiko für die Patientensicherheit. Vor allem Antibiotika, Krebs- und Herz-Kreislauf-Medikamente sind den Angaben zufolge von den Engpässen betroffen.
„Sind bestimmte Medikamente nicht verfügbar, können den Patientinnen und Patienten in bestimmten Fällen nur Ersatzpräparate angeboten werden, die eventuell weniger wirksam sind, aber bisweilen auch nicht vertragen werden“, warnte Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker. Bei einzelnen Wirkstoffen gebe es zudem keine Alternativen. Versorgungsengpässe drohten daher den Behandlungserfolg von Patienten zu gefährden.
Auch die Ärztekammer Sachsen-Anhalt forderte eine Lösung für die anhaltenden Lieferprobleme bei Medikamenten. Aktuell habe sich die Lage weiter zugespitzt, immer mehr und immer wichtigere Medikamente und Impfungen seien nicht oder zeitweise nicht verfügbar, hieß es bei einer Kammerversammlung in Wittenberg.
Ein geplantes Gesetz aus dem Bundesgesundheitsministerium könne Abhilfe schaffen. Ob das Vorhaben mutig und konsequent genug umgesetzt wird, werde die Ärzteschaft kritisch verfolgen.
In einer Entschließung forderte die Kammerversammlung, die Ursachen der Lieferengpässe von Arzneimitteln zu bekämpfen. Dazu sei innerhalb des Gesundheitswesens ein Kurswechsel erforderlich – weg von ausschließlicher Effizienz hin zu belastbarer und effektiver Arzneimittelversorgung.
Zudem müsse die Wirkstoffherstellung in Europa nachhaltig etabliert werden, um die Abhängigkeit von der Produktion außerhalb Europas abzubauen. Es müssten auch lebenswichtige Medikamente bevorratet werden. Nötig sei auch ein Verzeichnis der notwendigen Wirkstoffe, Darreichungsformen und Mengen.
Um Ausfälle wichtiger Arzneimittel zu vermeiden, will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bestimmte Preisregeln lockern. Das soll Lieferungen nach Deutschland attraktiver machen. Bei Kindermedikamenten sollen Hersteller den Preis um bis zu 50 Prozent heraufsetzen dürfen.
Zudem sollen europäische Hersteller – angefangen bei Antibiotika – stärker zum Zug kommen. Geplant sind auch Vorgaben zu mehrmonatigen Vorräten als Sicherheitspuffer. Engpässe gab es zuletzt im Winter etwa bei patentfreien Medikamenten wie Fiebersäften für Kinder.
Die Arzneimittelimporteure warnen angesichts der Pläne hingegen vor einer weiteren Verschärfung der Lieferengpässe bei Medikamenten.
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