Ärztetag diskutiert über neue Anforderungen für Ärzte aus Drittstaaten
Erfurt – Der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt hat heute engagiert und kontrovers darüber diskutiert, ob Ärztinnen und Ärzte mit absolvierter ärztlicher Ausbildung, die aus sogenannten Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union nach Deutschland kommen, ihren medizinischen Kenntnisstand künftig besser als heute unter Beweis stellen müssen.
In einem Entschließungsantrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (BÄK) wird dafür die Teilnahme am medizinischen Staatsexamen, also das „Ablegen einer Prüfung analog dem 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“ und die „Teilnahme am 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“ vorgeschlagen.
In seiner Rede bei der Eröffnungsveranstaltung des Ärztetags forderte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery, dass Ärzte aus Drittstaaten neben einer intensiven Sprachprüfung auch eine sehr intensive Prüfung der medizinischen Kenntnisse absolvieren müssen. Diese Kollegen seien sehr willkommen, betonte Montgomery. Aber der Patientenschutz gebiete Qualitätsnachweise zum Kenntnisstand.

Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Martina Wenker, unterstützte diese Forderung. „Wir Ärztekammern stehen für die Qualitätssicherung der ärztlichen Berufsausübung, wir stehen für den Patientenschutz“, sagte sie während der Diskussion. Die Ärztekammern dürften aber nur die Fachsprache der ausländischen Ärzte prüfen, nicht die Fachkenntnisse. „Und in Niedersachsen fallen 50 Prozent der geprüften Ärzte durch die Fachsprachenprüfung“, berichtete Wenker. Das liege nicht nur an Sprachdefiziten.
Auf Entgegnungen, das Staatsexamen sei als Prüfung für die ausländischen Ärzte zu anspruchsvoll, erwiderte sie: „Es gibt ein Mindestmaß an ärztlichen Fähigkeiten, das ich von jedem Arzt erwarte – nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ Tausende Medizinstudierende beständen das Staatsexamen in Deutschland. Das sei die ärztliche Versorgung auf dem in Deutschland gewohnten Niveau. Hier dürften keine Abstriche gemacht werden.

Tilman Kaethner, niedergelassener Arzt aus Niedersachsen, berichtete, dass manche seiner Patienten nicht mehr in die nächstgelegene Klinik überwiesen werden wollten, weil sie den Arzt, der sie dort behandelt hatte, nicht verstanden hätten. Sprachliche und medizinische Kenntnisse von den Ärzten zu fordern, die in Deutschland arbeiten, habe nichts mit Diskriminierung und Ausgrenzung zu tun, betonte er.
Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, gab zu bedenken, dass es Schatten auf all jene bislang aus Drittstaaten nach Deutschland gekommenen Ärzte werfe, die heute in Deutschland arbeiten, wenn man die bisherige Praxis die Sicherstellung der Versorgungsqualität anzweifle.

Auch die Hauptversammlung des Marburger Bundes, dem Henke vorsitzt, hatte sich am Wochenende dagegen ausgesprochen, dass Ärzte aus Drittstaaten das Staatsexamen ablegen müssen. Henke schlug hingegen die Einrichtung einer zentralen Gutachterstelle vor, die sich auf die Prüfung der Echtheit der von den ausländischen Ärzten vorgelegten Zeugnisse konzentriere.
Joachim Grifka, Delegierter aus Bayern, betonte, dass Deutschland die ausländischen Kollegen brauche: „Ohne sie wäre die heutige Versorgung nicht mehr durchführbar.“ Auch Grifka forderte eine Prüfung der medizinischen Fachkenntnisse ausländischer Ärzte. „Ich möchte aber davor warnen, das Staatsexamen von ihnen einzufordern“, sagte er.

Schließlich würden auch die meisten deutschen Ärzte mit Facharztstandard aus seiner Sicht das Staatsexamen heute nicht mehr bestehen. Stattdessen forderte er Prüfungen, die unter anderem die praktischen Fähigkeiten der Ärzte in ihrer jeweiligen Fachrichtung beinhalten.
Die Delegierten werden innerhalb der kommenden Tage über den Antrag des BÄK-Vorstands abstimmen.
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