AOK-Institut: Niedrigere Pflegerisiken und -kosten in der privaten Pflegeversicherung

Berlin – Die Versicherten der privaten Pflegeversicherung (PPV) sind im Durchschnitt älter als in der sozialen Pflegeversicherung (SPV). Trotzdem gibt es in der PPV deutlich niedrigere Pflegeprävalenzen und geringere Ausgaben. Das berichtet eine Arbeitsgruppe des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Das WIdO-Team sieht darin ein Argument für einen Finanzausgleich zwischen SPV und PPV.
Die Finanzierung der SPV steht angesichts steigender Pflegezahlen und wachsender Ausgaben unter Druck. Laut dem WIdO stellt sich die Frage, ob die PPV stärker an den Lasten der Pflegefinanzierung beteiligt werden sollte. Gegner eines Finanzausgleichs verweisen darauf, dass die Alterung der PPV-Versicherten künftig selbst zu höheren Belastungen führen werde.
Die Arbeitsgruppe um Dietmar Haun und Robert Messerle hat diese These anhand aktueller Daten überprüft. Grundlage der Analyse sind unter anderem Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) sowie Finanzkennzahlen aus beiden Versicherungssystemen.
Die Auswertung zeigt, dass sich die Altersstruktur der PPV in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat. Während ältere Altersgruppen dort im Jahr 2005 noch unterrepräsentiert waren, lag der Anteil der über 80-Jährigen im Jahr 2024 mit 8,7 Prozent bereits über dem entsprechenden Wert der SPV von 6,7 Prozent. Auch die Altersgruppe der 60- bis 79-Jährigen war in der PPV stärker vertreten.
Nach Auffassung der Autoren müsste sich dieses höhere Durchschnittsalter in höheren Pflegequoten und steigenden Kosten niederschlagen. Die Daten zeigen jedoch ein anderes Bild: Die Pflegeprävalenz lag 2024 in der SPV bei 7,6 Prozent, in der PPV dagegen bei 4,1 Prozent. „Die Differenz deutet auf einen ausgeprägten Selektionseffekt zugunsten der PPV hin“, so die WIdO-Gruppe.
Auch bei den Ausgaben bestehen laut der Analyse deutliche Unterschiede: Einschließlich geschätzter Beihilfeausgaben betrugen die Pflegeausgaben 2024 in der PPV 447 Euro je Versichertem gegenüber 849 Euro in der SPV.
Als wesentliche Ursache nennen Haun und Messerle Unterschiede in der sozialen und gesundheitlichen Risikostruktur der Versicherten. Gesundheitsprüfungen beim Zugang zur privaten Versicherung sowie die stärkere Vertretung finanziell besser gestellter Bevölkerungsgruppen führten dazu, dass in der PPV überdurchschnittlich günstige Risiken versichert seien.
Die WIdO-Arbeitsgruppe kommt daher zu dem Schluss, dass ein Finanzausgleich eine sinnvolle Reformoption für eine ausgewogenere Lastenverteilung und eine gerechtere Finanzierung der Pflege sein könnte.
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