Brandenburger Landtag beschließt Landarztquote

Potsdam – An der „Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem“ in Cottbus wird es ab dem Jahr 2027 eine Landarztquote für zunächst vier Studierende pro Jahrgang geben. Später sollen zehn Prozent der Studierenden einen Studienplatz erhalten, wenn sie sich verpflichten, nach dem Abschluss ihres Studiums in einem unterversorgten Gebiet in Brandenburg zehn Jahre lang als Hausarzt tätig zu werden.
Das geht aus dem „Gesetz zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung im Land Brandenburg“ hervor, das der Brandenburger Landtag am Donnerstag beschloss. Es erleichtert zudem Kommunen die Trägerschaft von Medizinischen Versorgungszentren. Dazu sollen Hindernisse bei Bürgschaften für Kommunen beseitigt werden.
Zuvor hatte das Landesparlament in einer „Aktuellen Stunde“ über den Start der Medizinischen Universität beraten. Gerade in Cottbus ist der Ärztemangel im Land derzeit mit Händen zu greifen: Erst am letzten Freitag kündigte die Kassenärztliche Vereinigung dort die Eröffnung einer Übergangspraxis als Eigeneinrichtung an, weil freie Hausarztsitze nicht besetzt werden können und rund 10.000 Patienten ohne Hausarzt seien. Dagegen solle langfristig die Landarztquote helfen, sagte der CDU-Gesundheitspolitiker Michael Schierack, der selbst niedergelassener Orthopäde in Cottbus ist.
„Wir wollen Menschen finden, die Freude daran haben, Hausarzt werden zu wollen.“ Brandenburgs Gesundheitsminister René Wilke (SPD) ging in der Debatte davon aus, dass KI-Modelle und der Abbau überflüssiger Dokumentationspflichten den heute in Praxen tätigen Ärzten künftig mehr Zeit am Patienten verschaffen werden. Als „wichtige Ergänzung“ bezeichnete er zudem die Delegation bislang ärztlicher Leistungen an anderweitig ausgebildete Gesundheitsfachkräfte, etwa an so genannte „Community Health Nurses“.
Daneben nutzte die Koalition die „Aktuelle Stunde“ vor allem, um die Neueröffnung der MUL-CT zu feiern. „Das ist ein historischer Moment für unser Bundesland“, sagte Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD). 8.000 junge Menschen hätten die MUL-CT als einen Wunschort für ihr Studium genannt – bei 36 zur Verfügung stehenden Plätzen. Auf alle Professuren dort hätten sich durchschnittlich 14 Personen beworben. In der Lausitz entstehe gerade das erste Primärversorgungszentrum.
„Eine alternde Gesellschaft stellt uns vor Herausforderungen“, sagte Schüle. „In der Lausitz wird erprobt, wie Versorgung in der Zukunft aussehen kann.“ Die SPD-Abgeordnete Katja Poschmann nannte die Universität „das sichtbarste Projekt des Strukturwandels in der Lausitz.“ Für Schierack ist der Start der MUL-CT ein historischer Tag. „Darauf können wir in Brandenburg so richtig stolz sein.“
Kritischer zeigte sich die Opposition. Für das BSW sagte dessen Parlamentarischer Geschäftsführer, Falk Peschel, der Start der MUL-CT sei dringend nötig und überfällig gewesen. Er schlug eine Kooperation der neuen Universität mit der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) vor. In Brandenburg seien derzeit über 300 hausärztliche Versorgungsbereiche unterversorgt. Die Landarztquote sei ein geeignetes und in anderen Ländern erprobtes Instrument. Aber diese Quote löse keine akute Probleme: In den kommenden zehn Jahren würden über 560 Hausärzte ausscheiden.
Für die AfD kritisierte der Abgeordnete Dominik Kaufner, dass die MUL-CT nicht Teil der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg geworden sei. Zudem mahnte er einen Pharmaziestudiengang an der Universität an. „Heute sind 35 Prozent der Apotheker über 60 Jahre alt“, sagte Kaufner. Dies sei dieselbe Schieflage wie bei der hausärztlichen Versorgung. Bundesweit würden bis 2035 rund 11000 Hausärzte fehlen.
„Selbst wenn 2035 die volle Kapazität von 200 Studienanfängern erreicht wird, kommen die Absolventen erst 2046 in die volle Versorgung hinein.“ Die medizinische Universität in Cottbus löse nur einen kleinen Teil unserer Versorgungsprobleme und das auch nur sehr langsam.
Der Vorstand für Krankenversorgung der MUL-CT, Eckhard Nagel, verwies darauf, dass einerseits Studierende schon während ihrer Ausbildung in den Praxen in Cottbus mitarbeiten. Andererseits würden auch Professoren, die neu nach Cottbus berufen werden, Ärzte mitbringen, die dann als Assistenten oder in einer eigenen Praxis im Umfeld der MUL-CT tätig werden.
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