Ärzteschaft

Bundesärztekammer soll Änderungen im Ablauf Deutscher Ärztetage erörtern

  • Donnerstag, 9. Mai 2024
/kwarner, stock.adobe.com
/kwarner, stock.adobe.com

Mainz – Die Delegierten des 128. Deutschen Ärztetages haben dem Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) aufgetragen, mögliche Änderungen der Organisation zukünftiger Deutscher Ärztetage zu erörtern. Insbesondere der Vorschlag einer Verkür­zung des Plenums wurde teils kontrovers diskutiert.

Ausgangspunkt waren sich teils widersprechende Bewertungen der Delegierten aus den verschiedenen Kammerbezirken: Während einige beklagten, sich in der viertägigen Tagungszeit nicht eingehend genug mit der großen Zahl an Anträgen aus­einandersetzen zu können, sprachen sich andere für eine Verkürzung um einen Tag aus.

Für viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte wäre die Teilnahme mit erheblichen Aufwänden und Entbehrungen verbunden. Eine Verkürzung wäre daher erheblich einfacher mit ihrer Praxistätigkeit vereinbar, plädierte Detlef Merchel von der Ärzte­kammer Westfalen-Lippe (ÄKWL).

Demgegenüber wurde eingewandt, dass schon die jetzige Zeit nicht ausreiche, die vorliegenden Anträge zu Genüge auszu­disku­tieren. „Ich sehe mich angesichts der Antragsflut nicht in der Lage, alles, was beantragt wird, zu beurteilen“, räumte die bayerische Delegierte Susanne Bubitz ein.

„Ganz oft treffen wir hier Entscheidungen, deren Tragweite wir nicht verstehen, weil wir sie nicht ausdiskutieren konnten“, erklärte auch Michael Hubmann, ebenfalls aus Bayern. Man könne diesen Vorwurf nicht gegen die Abgeordneten des Bundestages erheben, wenn man selbst nicht besser sei.

Eine Reform des Ablaufs sei notwendig, „damit wir an der Basis als Stimme wahrgenommen werden“, erklärte Bubitz weiter. „Wenn wir ernstgenommen werden wollen an der Basis, müssen wir etwas ändern.“ So wären beispielsweise hybride Modelle zur Ergänzung des Plenums vor Ort denkbar, was auch den Vorteil finanzieller Einsparungen mit sich bringen würde.

„Die Diskussion im Plenum ist die Königsdiziplin“, betonte demgegenüber BÄK-Vorstandsmitglied Andreas Botzlar. Man könne höchstens erwägen, zweimal jährlich zu tagen, dafür aber jeweils kürzer.

Er sehe keine Grundlage für eine Verkürzung des Ärztetages, beteuerte auch Wieland Dietrich von der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNO). Wichtiger wäre es, Themen und Anträge vorab in den Landesärztekammern eingehender zu erläutern.

Die Ablehnung der Einführung von Antragsfristen habe schließlich gezeigt, dass generell großer Diskussionsbedarf bestehe. Kurz zuvor war ein dahingehender Antrag in der Abstimmung gescheitert. Gleichzeitig sei eine etwaige – auch virtuelle – Verlängerung ebenso wenig zielführend.

Lars Bodammer von der Ärztekammer Hessen (LÄKH) plädierte dafür, eine Ebene tiefer anzusetzen. So könne man beispiels­weise über eine Regelung nachdenken, wonach Tagesordnungspunkte am Stück abgeschlossen werden müssten und nicht auf einen Folgetag verlängert werden dürften. „Dann gibt es kein Windhundrennen für die Anträge am letzten Tag“, sagte er.

Ein Antrag auf Verkürzung des Deutschen Ärztetages wurde daraufhin mit der Mehrheit der Delegiertenstimmen vertagt. BÄK-Präsident Klaus Reinhardt zeigte sich damit zufrieden: So könne man mögliche Änderungen, „subsidiär ordentlich aufbereiten“, indem man sie entsprechend ausführlich in den Landesärztekammern diskutiere.

Eine knappe, aber für viele Delegierte überraschende Mehrheit fand indes ein Antrag, der die Bundes­ärztekammer auffordert, in ihrer Satzung und Geschäftsordnung gendersensible Formulierungen zu verwenden. Kein Mensch – gleich welcher Geschlechtsidentität – dürfe sprachlich ausgegrenzt werden, heißt es darin.

„Satzung der Bundesärztekammer und Geschäftsordnung des Deutschen Ärztetages definieren über ihre normative Funktion hinaus Kultur und Selbstverständnis der Bundesärztekammer und der Deutschen Ärzteschaft“, so der Antrag weiter. „Umso wichtiger ist es, dass sie alle Ärztinnen und Ärzte gleichermaßen adressieren und dies durch die Verwendung von gendersen­siblen Formulierungen für alle Ärztinnen und Ärzte verständlich zum Ausdruck gebracht wird.“

lau

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung