Bundesweit erster Fall von 2019-nCoV bestätigt

München – In Deutschland gibt es den ersten Fall einer 2019-nCoV-Infektion. Dies hat gestern Abend das bayerische Gesundheitsministerium bestätigt.
Ein 33 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Landsberg habe sich bei einem Workshop seines Arbeitgebers im Landkreis Starnberg in Bayern bei einer Chinesin angesteckt, berichtete Andreas Zapf, Präsident des Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) heute Morgen auf einer Pressekonferenz im Gesundheitsministerium in Bayern.
Es handelt sich somit nicht nur um den ersten bestätigten Fall in Deutschland, sondern auch um die erste Mensch-zu-Mensch-Übertragung in Europa. Neben Deutschland hatte parallel auch Japan einen ersten Fall der neuen Lungenkrankheit bestätigt, bei dem sich der Betroffene nicht in China aufhielt, sondern in Japan infiziert hat.
Der Fall in Bayern untermauert zudem den Verdacht, dass die Inkubationszeit kürzer als die Latenzzeit des 2019-nCoVirus ist. Denn die Chinesin hätte zum Zeitpunkt der Übertragung keine Symptome gehabt, berichtete Zapf. „Dieses Wissen konnten zwei Quellen bestätigen. Wir müssen es dennoch verifizieren“, ergänzte Martin Hoch, Leiter der „Task Force Infektiologie“ des LGL.
Man habe die neuen Erkenntnisse heute morgen bereits mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) diskutiert, so Zapf und weiter: „Das RKI wird die neuen Erkenntnisse in Empfehlungen für das weitere Ausbruchgeschehen brücksichtigen.“
Das SARS-Virus konnte hingegen erst nach dem Auftreten von Symptomen übertragen werden, erklärte Bernd Salzberger, Bereichsleiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie einen wichtigen Unterschied gegenüber dem deutschen Science Media Center.
Hinweise auf eine kürzere Inkubationszeit als bei SARS hatten bereits eine Studie im Lancet geliefert, sowie der Direktor der nationalen Gesundheitskommission, Ma Xiaowei.
Die Infektionskette konnten Zapf und Hoch heute bei der Pressekonferenz darlegen. Die Chinesin stammte zwar aus Shanghai, hatte aber kurz vor ihrem Aufenthalt in Deutschland Besuch von ihren Eltern bekommen, die aus der Region Wuhan kamen.
Sie erreichte Deutschland am 19. Januar dieses Jahres und flog am 23. Januar zurück. Auf dem Rückflug soll sie erste Symptome entwickelt haben, sagte der Präsident des LGL.
Der Patient in Bayern befindet sich nach Angaben der „Task Force Infektiologie“ klinisch in einem guten Zustand, weshalb er am Tag vor der Diagnose auch wieder zur Arbeit erschienen war.
Er werde jetzt medizinisch am Klinikum Schwabing überwacht und sei isoliert, um keine weiteren Menschen anzustecken. „Denn wie lange das Virus noch übertragen werden kann, wissen wir nicht“, erklärte Zapf.
Gleichzeitig laufe die Suche nach Kontaktpersonen „auf Hochtouren“, berichtete Zapf weiter. Bisher konnten 40 enge Kontaktpersonen beim Automobilzulieferer Webasto und in der Familie des Betroffenen ausgemacht werden.
„Diese Kontaktpersonen bleiben zu Hause und es wird beobachtet, ob sie Symptome entwickeln. Erst dann wird ein diagnostischer Test durchgeführt, der nach drei bis vier Stunden ein Ergebnis liefert“, erläuterte Hoch das aktuelle Vorgehen.
Für ein erhöhtes Ansteckungsrisiko ist laut Hoch ein längerer Face-to-Face-Kontakt von etwa 15 Minuten notwendig. Ein kurzfristiger Kontakt, etwa ein Aneinandervorbeigehen auf der Straße ginge sehr wahrscheinlich mit einem weit geringerem Risiko einher.
Die Berliner Morgenpost berichtete zudem heute über einen potenziell Infizierten in Berlin. Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sprach von einem „begründeten Verdachtsfall“.
Nach einer Prüfung an der Charité könnte es morgen ein Ergebnis geben, heißt es. Auf Nachfrage zu diesem konkreten Fall, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) grundsätzlich: „Die Zahl der Verdachtsfälle wird mit jedem Tag steigen – auch weil die Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger zunimmt.“
Neue Verpflichtungen für Flughäfen und Kliniken
Für Deutschland kündigte Spahn heute weitere Informationspflichten für Fluggesellschaften (innerhalb der nächsten 24 Stunden) und Krankenhäuser (innerhalb von drei bis fünf Tagen) an, um eine Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit zu verhindern.
So sollen bei Flügen aus China die Piloten vor dem Landen an deutschen Flughäfen den Tower über den Gesundheitszustand der Passagiere informieren. Reisende aus China sollen Formulare ausfüllen, wie sie in den nächsten 30 Tagen zu erreichen sind. Die Airlines sollen die Angaben für diesen Zeitraum abrufbar halten. Damit sollen in Infektionsfällen Kontaktpersonen ausfindig gemacht werden können – etwa, wer neben wem gesessen hat.
Wie Spahn weiter sagte, sollen Kliniken künftig auch schon begründete Verdachtsfälle auf das Coronavirus an das RKI melden müssen – nicht nur bestätigte Fälle wie bisher. Das Bundesinstitut erhalte zudem größere Koordinierungsbefugnisse im ganzen Land.
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