Politik

Spahn warnt vor Fakenews wegen Coronavirus

  • Mittwoch, 29. Januar 2020
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rät, bei Informationen genau hinzusehen. /picture alliance, Kay Nietfeld
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rät, bei Informationen genau hinzusehen. /picture alliance, Kay Nietfeld

Berlin – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat vor Verschwörungstheorien rund um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus (2019-nCoV) gewarnt. Gerade in sozialen Medien seien viele mit ganz eigenen Interessen unterwegs, die Bürger verunsi­chern wollten, sagte Spahn heute in den Fernsehsendern RTL und n-tv.

Er habe den Eindruck, dass diese von außen oder innen „uns in unserer Debatte, in der Gesellschaft zersetzten wollen“. Spahn sagte, aus diesem Grund setze er stark auf Trans­parenz. Es sei immer schwer nachzuvollziehen, welches kursierende Video echt sei. Er könne deshalb die Bürger nur ermuntern, sich jenseits der sozialen Medien auch auf den offiziellen Seiten zu informieren.

In Deutschland verbreiten Nutzer anonym etwa erfundene Berichte über Krankheitsfälle. Ein Video sorgte für größere Nutzerzahlen, das angeblich mit dem Coronavirus infizierte Menschen in China zeigt, die einfach umfallen. Auch dieser Nutzer veröffentlichte sein Video anonym, ohne Nachweis der Herkunft seiner Bilder.

Die Verbreitung sogenannter Fakenews ist ein weltweites Problem. Ein Faktencheck der Nachrichtenagentur afp konnte etwa zeigen, dass Berichte aus mehreren Regionen in Frankreich über angebliche Coronaviruserkrankungen gefälscht waren – die Verbreiter dieser Falschmeldungen nutzten dafür gefälschte Fotos von Nachrichtenseiten realer Medien, um ihre Behauptungen als echt auszuweisen.

Ebenfalls als gefälscht nachweisen konnte der afp-Faktencheck ein tausendfach auf Face­book angesehenes Video, das angeblich einen Markt in der als Zentrum des Coronavirus geltenden chinesischen Stadt Wuhan zeigte. Auf dem Video waren Fledermäuse, Ratten, Schlangen und verschiedene Fleischsorten zu sehen, die dort verkauft wurden – die Aufnahmen stammten allerdings aus dem Jahr 2019 von einem Markt in Indonesien.

Verschiedene Beiträge in den Diensten Weibo, Twitter und Facebook zitierten einen der führenden chinesischen Experten für Atemwegserkrankungen mit der Empfehlung, sich zum Schutz vor einer Infektion den Mund mit Salzwasser auszuspülen. Das Team um den Experten wies diese Aussage aber zurück, Kochsalzlösungen könnten das neue Virus nicht töten.

Ebenfalls häufig geteilt werden Verschwörungstheorien zum Coronavirus, wonach dieses in staatlichen US-Laboren gezüchtet worden sei. Die Verbreiter dieser Fakenews versu­chen mit Patenten die angebliche Echtheit zu untermauern. Die Patente gibt es tatsäch­lich, aber es handelt sich um Patente zur Bekämpfung verschiedener Coronavirusstämme, etwa zur Entwicklung von Impfstoffen, wie der afp-Faktencheck herausfand.

In China ist heute die Zahl der Patienten mit der neuen Lungenkrankheit weiter deutlich angestiegen. Innerhalb eines Tages kletterte sie dort um 1.459 bekannte Fälle. Damit sind weltweit mehr als 6.000 Patienten registriert. Die Gesamtzahl der Todesfälle in China stieg um 26 auf 132.

Angesichts der rasanten Ausbreitung des neuen Coronavirus hat die Weltgesundheits­organisation (WHO) für morgen erneut den Notfall-Ausschuss einberufen. „Die ganze Welt muss jetzt in Alarmbereitschaft sein“, sagte WHO-Notfallkoordinator Michael Ryan heute in Genf. Der Ausschuss sei wegen der hohen Fallzahl und der steigenden Übertragungen im Ausland neu einberufen worden.

afp/dpa

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