Ärzteschaft

Coronatests: Warnung vor Überlastung der Praxen, Testcenter erforderlich

  • Montag, 3. August 2020
/picture alliance, Henning Kaiser
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Mainz/Hamburg – Eine Reihentestung auf das Coronavirus SARS-CoV-2 für Reiserückkeh­rer aus dem Ausland sei zwar sinnvoll, doch für die hausärztlichen Praxen so nicht leist­bar. Deshalb sehe man die entsprechende am vergangenen Samstag in Kraft getretene Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) kritisch, sagte heute Gün­ther Matheis, Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz (RLP).

„Da kommen vermutlich potenzielle, aber unerkannte Virenträger erst drei Tage nach ih­rer Rückkehr in die Praxis und sitzen mitten im Wartezimmer. Dieser unkontrollierte Zu­gang birgt Gefahren und stellt das bislang gut funktionierende Hygienekonzept der Haus­ärzte auf den Kopf“, so Matheis.

Bislang könnten die Hausarztpraxen ihre Patienten strikt zwischen potenziell-infektiösen und nicht-infektiösen Menschen trennen, diese Trennung werde bei unkontrolliertem Zu­gang aufgrund der Testserien so nicht mehr aufrecht zu halten sein. „Das neue Szenario könnte einer befürchteten zweiten Coronawelle Vorschub leisten“, warnt der Landes­ärzte­kammerpräsident.

Die neuen Testungen sollten im Sinne des Infektionsschutzes deshalb nicht erst in den Hausarztpraxen erfolgen, sondern direkt und zeitnah an speziellen Testzentren außerhalb der Praxisstrukturen. Die beschlossenen Reihentestungen seien seiner Ansicht nach zu­dem staatliche Aufgaben, die nicht auf den regulären Praxisbetrieb abgeschoben werden dürften.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) öffnet ebensolche Testcenter für die Testung von symptomlosen Reiserückkehrern auf SARS-CoV-2. Zwei Center werden an den beiden Notfallpraxen der KV Hamburg in Altona und Farmsen geöffnet, ein weiteres soll demnächst in unmittelbarer Nähe vom Hauptbahnhof seinen Betrieb aufnehmen.

Damit will die KV Hamburg die niedergelassenen Ärzte unterstützen. Umfasst vom Ange­bot sind sowohl Reiserückkehrer aus Risikogebieten, die diesen Test durchführen lassen müssen, als auch Reiserückkehrer aus Nicht-Risikogebieten im Ausland, die diesen Test durchführen lassen können.

„Die KV Hamburg und die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte setzen mit der Einrich­tung dieser Testcenter ihren erfolgreichen Kampf bei der Eindämmung der Pandemie fort“, sagte Walter Plassmann, Vorstandsvorsitzender der KV Hamburg, der heute die un­terschiedlichen Möglichkeiten der Testungen in Hamburg vorstellte.

Die KV Hamburg weist ausdrücklich darauf hin, dass diese kostenlosen Testungen symp­tomloser Reiserückkehrer nicht über den Arztruf Hamburg (116117) abgewickelt werden, dieser sei ausschließlich für die Versorgung von Patienten mit Erkältungssymptomen zu­ständig.

Symptomlose Personen könnten sich (nach Anruf) bei ihrem Arzt oder (ohne Anruf) in einem der Testcenter testen lassen. Symptomatische Patienten sollen Kontakt mit ihrer Arztpraxis oder der 116117 aufnehmen und telefonisch das weitere Vorgehen bespre­chen.

aha

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