Coronatests: Warnung vor Überlastung der Praxen, Testcenter erforderlich

Mainz/Hamburg – Eine Reihentestung auf das Coronavirus SARS-CoV-2 für Reiserückkehrer aus dem Ausland sei zwar sinnvoll, doch für die hausärztlichen Praxen so nicht leistbar. Deshalb sehe man die entsprechende am vergangenen Samstag in Kraft getretene Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) kritisch, sagte heute Günther Matheis, Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz (RLP).
„Da kommen vermutlich potenzielle, aber unerkannte Virenträger erst drei Tage nach ihrer Rückkehr in die Praxis und sitzen mitten im Wartezimmer. Dieser unkontrollierte Zugang birgt Gefahren und stellt das bislang gut funktionierende Hygienekonzept der Hausärzte auf den Kopf“, so Matheis.
Bislang könnten die Hausarztpraxen ihre Patienten strikt zwischen potenziell-infektiösen und nicht-infektiösen Menschen trennen, diese Trennung werde bei unkontrolliertem Zugang aufgrund der Testserien so nicht mehr aufrecht zu halten sein. „Das neue Szenario könnte einer befürchteten zweiten Coronawelle Vorschub leisten“, warnt der Landesärztekammerpräsident.
Die neuen Testungen sollten im Sinne des Infektionsschutzes deshalb nicht erst in den Hausarztpraxen erfolgen, sondern direkt und zeitnah an speziellen Testzentren außerhalb der Praxisstrukturen. Die beschlossenen Reihentestungen seien seiner Ansicht nach zudem staatliche Aufgaben, die nicht auf den regulären Praxisbetrieb abgeschoben werden dürften.
Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) öffnet ebensolche Testcenter für die Testung von symptomlosen Reiserückkehrern auf SARS-CoV-2. Zwei Center werden an den beiden Notfallpraxen der KV Hamburg in Altona und Farmsen geöffnet, ein weiteres soll demnächst in unmittelbarer Nähe vom Hauptbahnhof seinen Betrieb aufnehmen.
Damit will die KV Hamburg die niedergelassenen Ärzte unterstützen. Umfasst vom Angebot sind sowohl Reiserückkehrer aus Risikogebieten, die diesen Test durchführen lassen müssen, als auch Reiserückkehrer aus Nicht-Risikogebieten im Ausland, die diesen Test durchführen lassen können.
„Die KV Hamburg und die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte setzen mit der Einrichtung dieser Testcenter ihren erfolgreichen Kampf bei der Eindämmung der Pandemie fort“, sagte Walter Plassmann, Vorstandsvorsitzender der KV Hamburg, der heute die unterschiedlichen Möglichkeiten der Testungen in Hamburg vorstellte.
Die KV Hamburg weist ausdrücklich darauf hin, dass diese kostenlosen Testungen symptomloser Reiserückkehrer nicht über den Arztruf Hamburg (116117) abgewickelt werden, dieser sei ausschließlich für die Versorgung von Patienten mit Erkältungssymptomen zuständig.
Symptomlose Personen könnten sich (nach Anruf) bei ihrem Arzt oder (ohne Anruf) in einem der Testcenter testen lassen. Symptomatische Patienten sollen Kontakt mit ihrer Arztpraxis oder der 116117 aufnehmen und telefonisch das weitere Vorgehen besprechen.
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