Politik

Donanemab: Fehlender Zusatznutzen für zweiten Alzheimer-Antikörper festgestellt

  • Dienstag, 14. April 2026
/picture alliance, Jens Kalaene
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Berlin – Auch für den zweiten neuen Wirkstoff zur Behandlung der frühen Alzheimer-Erkrankung hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) keinen Zusatznutzen im Vergleich zum bisherigen Therapiestandard festgestellt. Den einstimmigen Beschluss gab der G-BA in seiner heutigen Sitzung bekannt.

Die Bewertung des Zusatznutzens ist entscheidend für die Preisverhandlungen zwischen Hersteller und dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband). Donanemab ist neben Lecanemab (Handelsname Leqembi) der zweite in der EU zugelassene Amyloid-Antikörper. Beide Mittel dürfen bei den beiden frühen Formen der Alzheimer-Krankheit im Stadium der milden kognitiven Einschränkung (MCI) und leichten Demenz eingesetzt werden.

Trotz der negativen Bewertung sieht der unparteiische G-BA-Vorsitzende Josef Hecken den Amyloid-Antikörper als Chance, mehr über die Relevanz von Eiweißablagerungen für den individuellen Krankheitsverlauf herauszufinden. „Vielleicht zeigt sich im Rückblick doch noch, dass wir hier über Türöffner sprechen, die den langersehnten Durchbruch bei der Behandlung dieser schlimmen Krankheit, die die Persönlichkeit schleichend auslöscht, bringen. Aber das werden wir erst in einiger Zeit auf Basis weiterer Daten sagen können.“ 

Im zuvor veröffentlichten Dossier zur Nutzenbewertung bemängelte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die fehlende Trennung der Stadien in MCI und Demenz in der Zulassungsstudie von Donanemab (JAMA 2023; DOI: 10.1001/jama.2023.13239).

Eine Auswertung der Subgruppen hat der Hersteller nachgereicht. Der G-BA analysierte damit die klinischen Auswirkungen von der Donanemab-Therapie bei Personen mit milder Demenz im Vergleich zur Behandlung mit Cholinesteraseinhibitoren. „Für Erwachsene mit leichter Alzheimer-Demenz zeigte sich kein Vorteil für Donanemab im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie“, entschied der G-BA allerdings. Für das Stadium der MCI befand das Gremium die Daten als ungeeignet für eine Beurteilung.  

Anders sieht das der Hersteller: Beate Kretschmer von Lilly Deutschland erklärte im Stellungnahmeverfahren des G-BA, dass das Risiko bis zur dauerhaften Krankheitsverschlechterung bei Personen mit MCI um 60 Prozent und bei der leichten Alzheimer-Demenz um 25 Prozent verringert sei.  „Wir sehen das als bedeutsame Effekte in diesem wesentlichen patientenrelevanten Endpunkt an, der anzeigt, dass Donanemab die Erkrankung eindrucksvoll verzögern kann“, so Kretschmer.

Lecanemab ist bei der Bewertung des Zusatznutzens ebenfalls gescheitert. Fachleute aus dem Bereich Neurologie und Psychiatrie hatten befürchtet, dass der fehlende Zusatznutzen dazu führen könnte, dass der Hersteller das Mittel vom Markt nimmt. Die Verhandlungen laufen zurzeit noch.

Der Donanemab-Hersteller Lilly erklärte im Anschluss an die heutige Entscheidung, dass diese keinen Einfluss auf die Behandlung von Patientinnen und Patienten haben soll. „Die Preisverhandlung mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung werden in den nächsten Wochen beginnen“, so Alexander Horn, Geschäftsführer der Lilly Deutschland. „Lilly ist der festen Überzeugung, dass geeignete Patientinnen und Patienten mit einer frühen symptomatischen Alzheimer-Krankheit auch zukünftig von Donanemab profitieren sollten.“

Allerdings bewertet nicht nur der G-BA den klinischen Nutzen von den Amyloid-Antikörpern als gering. In einem heute erschienen Cochrane-Review heißt es, die Wirkung auf kognitive Funktionen und den Schweregrad der Demenz sei „vernachlässigbar" und der Vorteil auf die funktionelle Leistungsfähigkeit „bestenfalls geringfügig"(Cochrane Database of Systematic Reviews 2026; DOI: 10.1002/14651858.CD016297). Allerdings waren hier auch Studien zu Medikamenten eingeschlossen, die es nie zu einer Zulassung gebracht haben. „Die Ergebnisse sind somit nicht 1:1 auf die beiden zugelassenen Mittel übertragbar", sagte Hecken.

Die Mittel kommen nur für einen kleinen Teil der Demenz-Betroffenen infrage. So müssen etwa Amyloid-Ablagerungen im Gehirn bestehen und die Erkrankten dürfen nicht mehr als eine Kopie des Risikogens APOE4 tragen, da sonst womöglich die Gefahr von schwerwiegenden Nebenwirkungen erhöht ist. Bis Februar wurden laut Eisai in Deutschland etwa 400 Patientinnen und Patienten mit Lecanemab behandelt. Eli Lilly machte auf Anfrage keine Angabe zu den Behandlungszahlen, sie dürften jedoch in einem ähnlichen Rahmen liegen.

mim

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