Eigenanteil für Pflegebedürftige steigt

Berlin – Pflegebedürftige müssen für ihre Unterbringung in Heimen aktuellen Zahlen zufolge immer höhere Summen aus eigener Tasche aufbringen. Im Bundesdurchschnitt sind die Kosten, die Heimbewohner selbst tragen müssen, im Januar dieses Jahres auf 1.830 Euro monatlich gestiegen. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf eine neue Statistik des Verbands der Ersatzkassen (vdek).
Anfang 2018 war demnach die finanzielle Belastung für Pflegebedürftige noch 58 Euro niedriger, sie lag bei 1.772 Euro pro Monat. Diese Summe setze sich zusammen aus den Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen sowie einem Pflegekosteneigenanteil, der derzeit bei durchschnittlich 655 Euro liegt. Die gesetzliche Pflegeversicherung kommt nur für den Rest der Ausgaben auf, die vor allem die eigentlichen Pflegeleistungen umfassen. Bei Menschen, die ihre Rechnung nicht selbst bezahlen können, müssen die Kinder oder das Sozialamt einspringen.
Regional gibt es der vdek-Statistik zufolge große Unterschiede: Besonders tief müssen Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen in die Tasche greifen. Auf sie kommen im Schnitt Lasten von 2.252 Euro zu. Am günstigsten ist es in Sachsen-Anhalt mit 1.218 Euro. Experten erklären die Kostenspreizung auch mit regional unterschiedlichen Löhnen und Vorgaben für die Personalausstattung.
Die neuen Daten dürften laut Spiegel die Debatte um eine Finanzreform der Pflegekasse befeuern. Politiker fast aller Parteien hatten bereits eine Deckelung des Eigenanteils gefordert. Die Grünen-Sprecherin für Pflegepolitik, Kordula Schulz-Asche, bezeichnete es als „Systemfehler der Pflegeversicherung, dass die Pflegebedürftigen durch ihren Eigenanteil praktisch für jede der so überfälligen Verbesserungen der Pflege aufkommen müssen“.
Dadurch rutschten immer mehr Menschen in die Sozialhilfe, erklärte sie. „Eine Reform ist dringend nötig: Der Eigenanteil muss planbar werden, alle Fortschritte in der Pflege von den Kassen finanziert werden – der sogenannte Sockel-Spitze-Tausch.“ Die Mehrkosten der Kassen müssten gerecht auf alle verteilt werden, wie die Grünen es mit dem Vorschlag einer Pflege-Bürgerversicherung forderten, hieß es.
Vergangene Woche hatten schon die Verbraucherzentralen Änderungen bei der Pflegeversicherung gefordert, um Betroffene vor weiter steigenden Zahlungen zu schützen. „Der Pflegefall darf nicht länger zur Kostenfalle werden“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Die Leistungen der Pflegeversicherung sollten daher künftig automatisch jährlich erhöht werden – orientiert an der Inflationsrate und an steigenden Personalkosten. Wie bisher schon die gesetzliche Renten- und Krankenversicherung brauche zudem auch die Pflegeversicherung einen Zuschuss aus Steuergeld.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte Mitte Januar angekündigt, er wolle die Finanzierung der Pflege langfristig „ganz neu austarieren“. Angesichts steigender Kosten brauche es schon jetzt eine Grundsatzdebatte über die Zeit nach 2022.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: