EU-Gesundheitsagentur: Keine neue Variante des Hantavirus

Frankfurt am Main – Der aktuelle Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff ist EU-Experten zufolge nicht auf eine neue Erreger-Variante zurückzuführen.
Erbgut-Daten zeigten, dass „das bei diesem Ausbruch auftretende Virus den bereits in Südamerika zirkulierenden Andes-Viren gleicht und keine neue Variante darstellt“, teilte das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) heute mit. Derzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass sich die Erreger des aktuellen Ausbruches leichter verbreiteten oder schwerere Krankheitsverläufe verursachten als andere Andes-Viren.
Andes-Viren sind spezielle Hantaviren, die in Südamerika vorkommen. Anders als bei hiesigen Hantaviren gilt eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung als möglich, allerdings nur bei sehr engem Kontakt.
Am Freitag war in der Schweiz die erste vollständige Virussequenz eines Infizierten von Bord des Schiffes MS Hondius auf der Plattform Virological.org veröffentlicht worden. Experten hatten in ersten Reaktionen erklärt, dass auf den ersten Blick keine relevanten Erbgutmutationen erkennbar seien, mahnten aber gleichzeitig weitere Untersuchungen und Sequenzierungen an.
Vier Deutsche zurück in der Heimat
Die vier in die Niederlande ausgeflogenen deutschen Passagiere des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs waren gestern am späten Abend von Eindhoven aus nach Deutschland gebracht worden. Ein Sprecher der Uniklinik Frankfurt bestätigte heute die Ankunft des sogenannten Sonderisoliertransports.
Dort sollen die Passagiere zunächst weiter untersucht, beobachtet und anschließend zur Quarantäne in die jeweiligen Bundesländer gebracht werden. Über die Maßnahmen entscheiden die zuständigen Gesundheitsämter.
Gestern Nachmittag waren die Betroffenen per Evakuierungsflug von der Kanareninsel Teneriffa, wo die „Hondius“ nach mehreren Wochen auf See angelegt hatte, nach Eindhoven in den Niederlanden gebracht worden. Neben Niederländern und Deutschen befanden sich unter anderem auch Belgier und Griechen an Bord. Alle waren ohne Symptome, wie das spanische Gesundheitsministerium vor dem Abflug mitteilte.
Der Chef des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI) sieht keine Gefahr für die Bevölkerung. Das Virus könne Menschen sehr krank machen, sagte Lars Schaade gestern Abend im ZDF-heute journal. „Aber die gute Nachricht ist eigentlich, das ist kein Virus, das sich verbreitet. Und insofern kann ich, glaube ich, sagen: Ich sehe eigentlich keine Gefährdung für die Bevölkerung in Deutschland und auch keine Pandemiegefahr.“
Mit Blick auf den dieser Tage oft gezogenen Vergleich mit dem Coronavirus sagte Schaade: „Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist überhaupt nicht vergleichbar.“ Man kenne das Virus schon sehr lange und könne es deshalb sehr gut einschätzen. Das Coronavirus sei damals ein neues Virus mit spezifischen Eigenschaften gewesen.
„Hier haben wir ein Virus, das wir seit 31 Jahren kennen.“ Schaade sprach von sicherlich einigen Tausend Fällen seit der Entdeckung 1995. „Und immer ist es gelungen, die Ausbruchssituation entsprechend unter Kontrolle zu bringen.“
Auf der Hondius waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) war darunter eine mittlere einstellige Zahl von deutschen Staatsangehörigen. Laut dem Schiffsbetreiber Oceanwide waren sechs Deutsche an Bord.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom spätem Montagnachmittag gibt es insgesamt mittlerweile sieben bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser neun Personen starben: ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine deutsche Frau. Bei einer weiteren Person liege ein unklares Laborergebnis vor.
Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben könnte.
Die „Hondius“ soll nach Ausschiffung der Menschen mit einem Teil der Crew in Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst nach der Ankunft im Hafen Rotterdam soll die an Bord gestorbene Deutsche vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffs wird in den Niederlanden erfolgen. Bis nach Rotterdam wird die „Hondius“ rund fünf Tage unterwegs sein.
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