Fluchtbericht: Mehrheit der Geflüchteten plant Weiterreise

Berlin – Eine Mehrheit der aktuell mehr als 117 Millionen Flüchtlinge weltweit denkt nach einem neuen Forscherbericht über eine Weiterreise in ein anderes Land nach. In die Tat umsetzen können sie dies jedoch oft nicht.
Bei einem Teil der Geflüchteten seien die Pläne sehr konkret, bei anderen eher diffus, erklärten die Autorinnen und Autoren des „Reports Globale Flucht 2026“. So äußerten 81 Prozent der Befragten in Jordanien demnach „unklare Ideen zum Weiterziehen, Bleiben, Zurückkehren“.
In dem arabischen Land haben vor allem Palästinenser, Syrer und Menschen aus dem Irak Aufnahme gefunden. Befragungen hatten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auch in Kolumbien, Mexiko und der Türkei durchgeführt.
Ihren jährlich erscheinenden Bericht wollen sie diesmal ausdrücklich als „Weckruf“ verstanden wissen. Kritisch sehen die Forscher unter anderem die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS).
Diese Reform, die am 12. Juni in Kraft tritt, sieht unter anderem Asylverfahren an den EU-Außengrenzen vor – allerdings nur für Menschen, die aus Staaten stammen, deren Bürger selten Schutz zugesprochen bekommen.
Diese Reform sei „handwerklich schlecht gemacht“ und bedeute einen Abbau von Flüchtlingsrechten, sagte Franck Düvell vom Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien der Universität Osnabrück.
An den europäischen Grenzen gebe es bereits jetzt Rechtsbrüche, betonte Petra Bendel, Migrationsforscherin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Dazu zähle auch die deutsche Praxis der Zurückweisung an den Binnengrenzen, da dabei keine echte Überprüfung der Schutzbedürftigkeit der Betroffenen stattfinde. Dieses Verhalten sei „rücksichtslos nationalistisch“.
Es gebe keinen empirischen Beleg, dass die deutschen Grenzkontrollen, die Einführung der Bezahlkarte oder die Kürzung von Sozialleistungen dazu führten, dass die Zahl der Asylbewerber sinke. Vielmehr seien die Asylbewerberzahlen in der gesamten Europäischen Union zurückgegangen.
Zudem habe sich die Situation in Herkunftsstaaten wie Syrien und Aufnahmestaaten wie dem Iran und der Türkei verändert. Benjamin Etzold vom Bonner International Center for Conflict Studies verwies auf die erzwungene Rückkehr einer großen Zahl von Afghanen aus dem Iran und der Türkei in ihr Herkunftsland.
Die Forscher bedauern zudem, dass die Bereitschaft europäischer Staaten, humanitäre Aufnahmeprogramme aufzulegen beziehungsweise sich an solchen Neuansiedlungen zu beteiligen, zurückgegangen ist. Sie verweisen auf einen Beschluss von Ende 2025, wonach nur neun EU-Mitgliedstaaten bereit sind, innerhalb von zwei Jahren insgesamt 10.430 Plätze für Neuansiedlung und Aufnahme aus humanitären Gründen zur Verfügung zu stellen.
Deutschland, das im Zeitraum 2012 bis 2024 nach Schweden der Staat war, der am meisten Menschen über solche Programme aufgenommen hatte, stellt für 2026 und 2027 demnach keine Plätze mehr bereit. Einen Höchststand gab es den Angaben zufolge 2021, als mehr als 23.000 Flüchtlinge über Aufnahmeprogramme in Staaten der Europäischen Union gekommen waren.
Zu wenig Aufmerksamkeit widmen deutsche Politiker aus Sicht der Wissenschaftler bislang der Flucht als Folge des Klimawandels. Bendel betont, dass „klimabedingte Vertreibungen keine Zukunftsfrage mehr sind“.
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