Politik

Frauenherzgesundheit: Gynäkologie, Kardiologie und Allgemeinmedizin sollen zusammenarbeiten

  • Dienstag, 20. Januar 2026
/bnenin, stock.adobe.com
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Berlin – Gynäkologie, Kardiologie und Allgemeinmedizin sollten enger zusammenarbeiten, um die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Dafür plädierte heute Lena Marie Seegers, Gründerin und Leiterin des Frauenherzzentrums am Universitätsklinikum Frankfurt, im Vorfeld des bundesweiten GoRed-Aktionstages zur Frauenherzgesundheit am 6. Februar.

In jeder Lebensphase könnten Hormone Einfluss auf die Herzen von Frauen nehmen. Würden festgestellte Erkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck in der Schwangerschaft nicht konsequent behandelt und nach der Geburt nicht weiter beobachtet werden, könne dies zu lebenslangen Herzproblemen beitragen und auch das Risiko für spätere Herzinfarkte erhöhen, so Seegers.

Ebenso steige nach der Menopause das Risiko für Herzkreislauferkrankungen an. Die Prävention müsse daher früh ansetzen. Als sinnvoll erachtet Seegers beispielsweise ein Checkup im Anschluss an die Menopause und das sogenannte Pregnancy Heart Screening in der Schwangerschaft.

In den rund 30 Frauenherzzentren in Deutschland gebe es bereits entsprechende Möglichkeiten, Schwangerschaftsberatungen und auch Nachbetreuungsangebote für Mütter mit Herzerkrankungen in der Schwangerschaft.

„Wir müssen diese Zentren flächendeckend etablieren, um die Versorgungslücke für ein besseres Outcome zu schließen“, betonte Seegers. Wichtig sei eine langfristige Anbindung und Versorgung der Patientinnen. Zudem müsse auch das öffentliche Bewusstsein für unterschiedliche Symptome bei Männern und Frauen, etwa beim Herzinfarkt, weiter gestärkt werden.

Es gebe fünf bekannte Risikofaktoren, die mehr als jede zweite Herz-Kreislauf-Erkrankung erklären würde, sagte Christina Magnussen, stellvertretende Direktorin der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, mit Blick auf aktuelle Erkenntnisse aus internationalen Studien.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass wir einen Paradigmenwechsel brauchen: Weg von der reinen Behandlung hin zu konsequenter Prävention“, betonte auch sie. Insbesondere bei Frauen hätte die Prävention noch höhere Effekte als bei Männern. Würden die Risikofaktoren im mittleren Lebensalter eingedämmt und bestehende Erkrankungen rechtzeitig behandelt, könne dies zu einem längeren Leben beitragen.

„Doch das Wissen allein reicht nicht“, sagte Magnussen. Auch von der Politik werde Unterstützung gebraucht. Frühzeitige und regelmäßige Screenings, etwa für Bluthochdruck und auch eine Erhöhung der Zucker- und Tabaksteuer könnten dazu beitragen, Herzkreislauferkrankungen weiter einzudämmen.

Auch in Sachen Erste Hilfe und Laienreanimation gibt es den Expertinnen zufolge einiges nachzuholen. Frauen würden seltener von Laien reanimiert werden und insbesondere Männer würden sich dabei schwer tun, weil sie oft Berührungsängste hätten und „die weibliche Anatomie im Weg“ sei, berichtete Nicola Winter, Rettungssanitäterin und Rettungshubschrauberpilotin. Es sei deshalb wichtig, in Erste Hilfe-Kursen auch weibliche Reanimationspuppen mit Brüsten zur Verfügung zu haben, um solche Berührungsängste abzubauen.

Oftmals holten sich Frauen auch sehr viel später Hilfe und hielten Schmerzen und Symptome aus, weil sie beispielsweise die Familie zu versorgen hätten und gebraucht würden, sagte Winter. Ein Problem sei zudem, dass Symptome von den Patientinnen selbst und zum Teil auch noch im Krankenhaus falsch gedeutet würden.

Auch die medizinische Faktenlage sei nach wie vor alarmierend, betonte Vanessa Conin-Ohnsorge, Mitinitiatorin des GoRed-Aktionstages und Sprecherin des Healthcarefrauen-Beirats Gesundheitsförderung. „Was nicht gemessen wird, wird nicht gesehen“, betonte sie auch in Hinblick auf politische Entscheidungen. „Gesundheitspolitische Entscheidungen brauchen belastbare Daten“.

Um die Versorgungslücke zwischen Männern und Frauen bei Herzkreislauferkrankungen darzustellen, erhalte GoRed dieses Jahr erstmals anonymisierte Versorgungsdaten, berichtete Conin-Ohnsorge. Erste Untersuchungen von Laborergebnissen aus Bayern hätten etwa ergeben, dass bei Frauen seltener diagnostische Tests von Blutfetten gemacht würden.

Man habe auch außerhalb der Frauengesundheitsblase, in der man sich befinde, noch viel zu tun, um die Menschen und auch die Unternehmen zu erreichen, so Conin-Ohnsorge. Dies müsse auch aus wirtschaftlicher Notwendigkeit geschehen: Wenn Frauen erkrankten, würden ganze Systeme zusammenbrechen, nicht nur im familiären Bereich, sondern auch in Hinblick auf die Erwerbstätigkeit.

Mit der GoRed-Initiative und dem bundesweiten Aktionstag GoRed am 6. Februar wollen die Healthcarefrauen gemeinsam mit der Herz-Hirn-Allianz öffentliches und politisches Bewusstsein für die Frauenherzgesundheit schaffen. Am 6. Februar kann ein Zeichen für die Frauenherzgesundheit gesetzt werden: Tausende Männer und Frauen tragen dann ein rotes Accessoire und posten davon ein Foto in den sozialen Medien.

nfs

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