Ärzteschaft

Gassen regt Aufklärungskampagne des Bundes über Hitzewelle an

  • Mittwoch, 20. Juli 2022
/GiZGRAPHICS, stock.adobe.com
/GiZGRAPHICS, stock.adobe.com

Berlin/Hannover – Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, rechnet mit zahl­reichen Hitzetoten auch in Deutschland. „Man muss davon ausgehen, dass nicht nur in Südeuropa, sondern auch bei uns in diesem Sommer wieder sehr viele Menschen der Hitze erliegen werden“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung.

„Schon 2020 hatten wir im heißen August mehrere Tausend Hitzetote zusätzlich. Das werden wohl leider re­gelmäßige Wellen, wenn die Temperaturen zukünftig über mehrere Tage so hoch gehen wie gerade." Gassen forderte von der Politik eine Aufklärungskampagne.

„Wir haben doch die Zentrale für gesundheitliche Aufklärung, die diesen Job machen könnte: Mit konkreten Empfehlungen, die zu Hauptsendezeiten im TV, vor der ,Tagesschau' oder ,heute', aber auch im Radio laufen sollten“, sagte der KBV-Chef. „Mit so einer Kampagne könnten viele erreicht werden, die vielleicht noch nicht wissen, wie sie sich selbst schützen können.“

In den vergangenen Tagen hatten sich unter anderem auch die Bundesärztekammer und der Marburger Bund für einen nationalen Hitze­schutzplan ausgesprochen. Die Bundesregierung lehnt das jedoch mit Verweis auf die Zuständigkeit der Kommunen ab.

Angesichts der rekordverdächtigen Hitze in Deutschland hat auch die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) einen besseren Schutz für chronisch kranke und ältere Menschen angemahnt.

Für Menschen in Pflegeheimen seien Schutzmaßnahmen notwendig, außerdem müssten kommunale Hitze­schutzpläne zur Versorgung alleinstehender, älterer sowie kranker Men­schen eingeführt werden, sagten Kam­merpräsidentin Martina Wenker und Vizepräsi­dentin Marion Charlotte Renneberg in Hannover. Diese seien durch die Hitze enor­men gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt.

„Gerade vulnerable Teile unserer Bevölkerung wie Menschen, die in Pflege- und Altenhei­men leben, müssen vor den Auswirkungen der Hitze gesondert geschützt werden“, betonte Renneberg. „Wir brauchen deshalb dringend Hitzeschutzbeauftragte in Alten- und Pflege­heimen, die die Temperaturentwicklung beobachten und die älte­ren Menschen auf die drohenden Hitzetage vorbereiten.“

Dabei gehe es um luftige Kleidung, leichte Mahlzeiten, genügend Flüssigkeit und die Anpassung der Medika­mentendosis. „Zudem sollte besonders auf Zeichen einer beginnen­den Austrocknung geachtet werden“, for­derte Renneberg.

Wenker mahnte, zusätzlich vulnerable und geschwächte Menschen, die allein leben, in den Blick zu nehmen: „Wichtig ist, dass wir auf der kommunalen Ebene Lösungen einführen, die alleinstehende ältere Menschen vor den gesundheitlichen Auswirkungen durch Hitze schützen.“

Ziel müsse sein, „stillen Toden“ entgegenzuwirken. „Also den Tod von Menschen zu verhin­dern, die durch die zunehmende Hitze zu geschwächt sind, um sich selbst versorgen zu können“, erklärte Wenker. Diese Menschen müssten mit Getränken und Essen versorgt werden.

Bei der Einführung von Hitzeschutzbeauftragten und Hilfsdiensten für Alleinlebende können nach Angaben der Kammer Beispiele aus anderen Ländern ein Vorbild sein: Beispielsweise Frankreich setze auf Prävention und Hitzewarnsysteme.

dpa/kna

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung