Gassen regt Aufklärungskampagne des Bundes über Hitzewelle an

Berlin/Hannover – Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, rechnet mit zahlreichen Hitzetoten auch in Deutschland. „Man muss davon ausgehen, dass nicht nur in Südeuropa, sondern auch bei uns in diesem Sommer wieder sehr viele Menschen der Hitze erliegen werden“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung.
„Schon 2020 hatten wir im heißen August mehrere Tausend Hitzetote zusätzlich. Das werden wohl leider regelmäßige Wellen, wenn die Temperaturen zukünftig über mehrere Tage so hoch gehen wie gerade." Gassen forderte von der Politik eine Aufklärungskampagne.
„Wir haben doch die Zentrale für gesundheitliche Aufklärung, die diesen Job machen könnte: Mit konkreten Empfehlungen, die zu Hauptsendezeiten im TV, vor der ,Tagesschau' oder ,heute', aber auch im Radio laufen sollten“, sagte der KBV-Chef. „Mit so einer Kampagne könnten viele erreicht werden, die vielleicht noch nicht wissen, wie sie sich selbst schützen können.“
In den vergangenen Tagen hatten sich unter anderem auch die Bundesärztekammer und der Marburger Bund für einen nationalen Hitzeschutzplan ausgesprochen. Die Bundesregierung lehnt das jedoch mit Verweis auf die Zuständigkeit der Kommunen ab.
Angesichts der rekordverdächtigen Hitze in Deutschland hat auch die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) einen besseren Schutz für chronisch kranke und ältere Menschen angemahnt.
Für Menschen in Pflegeheimen seien Schutzmaßnahmen notwendig, außerdem müssten kommunale Hitzeschutzpläne zur Versorgung alleinstehender, älterer sowie kranker Menschen eingeführt werden, sagten Kammerpräsidentin Martina Wenker und Vizepräsidentin Marion Charlotte Renneberg in Hannover. Diese seien durch die Hitze enormen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt.
„Gerade vulnerable Teile unserer Bevölkerung wie Menschen, die in Pflege- und Altenheimen leben, müssen vor den Auswirkungen der Hitze gesondert geschützt werden“, betonte Renneberg. „Wir brauchen deshalb dringend Hitzeschutzbeauftragte in Alten- und Pflegeheimen, die die Temperaturentwicklung beobachten und die älteren Menschen auf die drohenden Hitzetage vorbereiten.“
Dabei gehe es um luftige Kleidung, leichte Mahlzeiten, genügend Flüssigkeit und die Anpassung der Medikamentendosis. „Zudem sollte besonders auf Zeichen einer beginnenden Austrocknung geachtet werden“, forderte Renneberg.
Wenker mahnte, zusätzlich vulnerable und geschwächte Menschen, die allein leben, in den Blick zu nehmen: „Wichtig ist, dass wir auf der kommunalen Ebene Lösungen einführen, die alleinstehende ältere Menschen vor den gesundheitlichen Auswirkungen durch Hitze schützen.“
Ziel müsse sein, „stillen Toden“ entgegenzuwirken. „Also den Tod von Menschen zu verhindern, die durch die zunehmende Hitze zu geschwächt sind, um sich selbst versorgen zu können“, erklärte Wenker. Diese Menschen müssten mit Getränken und Essen versorgt werden.
Bei der Einführung von Hitzeschutzbeauftragten und Hilfsdiensten für Alleinlebende können nach Angaben der Kammer Beispiele aus anderen Ländern ein Vorbild sein: Beispielsweise Frankreich setze auf Prävention und Hitzewarnsysteme.
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