Gesundheitswesen: 80 Milliarden Euro Potenzial noch ungenutzt

Düsseldorf – Durch Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) und einer weiteren Digitalisierung im Gesundheitswesen könnte künftig ein Potenzial von 80 Milliarden Euro pro Jahr erschlossen werden. Das zeigt eine neue Publikation der Unternehmensberatung McKinsey mit dem Titel „Das ‚80 Mrd. EUR‘-Update – Aktuelles Wertpotenzial von Digitalisierung und KI im deutschen Gesundheitswesen“.
Diese Summe entspreche rund 17 Prozent der für 2026 adressierbaren Gesundheitsausgaben von 479 Milliarden Euro, heißt es. Das Potenzial sei aber nicht mit einem reinen Einsparpotenzial gleichzusetzen. Es umfasse sowohl Produktivitätsgewinne als auch eine Reduktion der vermeidbaren Versorgungsnachfrage.
Allein die Nutzung von KI könne etwa 22,8 Milliarden Euro pro Jahr beitragen, insbesondere durch weniger Bürokratie und besser gesteuerte Versorgung. So könnten virtuelle Assistenten Gespräche in der Versorgung in Echtzeit dokumentieren und für die elektronische Patientenakte aufbereiten.
KI-Systeme können zudem Abrechnungsfehler erkennen, klinische Informationen strukturieren sowie Betten, Personal und Behandlungsabläufe vorausschauend steuern. Das reduziere administrative Lasten und schaffe mehr Zeit für die unmittelbare Versorgung, heißt es in der Studie.
Die größten Einzelhebel liegen bei der elektronischen Patientenakte mit 9,3 Milliarden Euro an möglichem Potenzial, der digitalen Fernüberwachung chronisch erkrankter Menschen mit 6,4 Milliarden Euro sowie digitalen Anwendungen zum Selbstmanagement chronischer Erkrankungen mit 6,0 Milliarden Euro pro Jahr.
Bereits heute würden demnach digitale Anwendungen einen jährlichen Nutzen von 11,5 Milliarden Euro realisieren. Den größten Beitrag leisteten papierlose Daten: E-Rezept, elektronische Patientenakte (ePA) und digitale Kommunikation in Kliniken stehen für 5,9 Milliarden Euro Einsparungen jährlich.
Der Nutzen entstehe vor allem durch höhere Produktivität: Über alle Bereiche hinweg entfallen der Analyse zufolge 64 Prozent des Wertpotenzials auf Produktivitätssteigerungen, weitere 36 Prozent auf eine geringere Leistungsnachfrage – etwa durch digitale Triage, Fernüberwachung chronisch erkrankter Menschen und Prävention. Rund zwei Drittel des Gesamtpotenzials entfalle auf Leistungserbringer, rund ein Drittel auf Kostenträger.
„Mit inzwischen mehr als zehn Milliarden Euro jährlich realisiertem Nutzen ist die Digitalisierung im Gesundheitswesen spürbar im Versorgungsalltag angekommen“, sagte Kristin Tuot von McKinsey und Co-Autorin der Publikation.
Die Fortschritte zeigten, dass Digitalisierung ein entscheidender Schlüssel sein könne, um dem Fachkräftemangel, steigenden Kosten und dem wachsenden Versorgungsbedarf im Gesundheitswesen zu begegnen, erklärte ihre Kollegin Katharina Sickmüller, ebenfalls Co-Autorin der Publikation. „Mit Künstlicher Intelligenz ist ein weiterer großer Werttreiber hinzugekommen. Das ist eine Chance, von der alle Menschen in unserem Land profitieren können.“
Die Analyse von McKinsey basiert auf mehr als 500 Forschungsdokumenten, Projektevidenz und Experteninterviews. Es wurden etwa 150 aktuelle Publikationen ausgewertet. Zudem wurden 28 digitale und KI-gestützte Technologien quantifiziert.
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