GKV-Spargesetz: Nahezu alle Praxen erwarten Honorareinbußen und Versorgungsverschlechterung

Stuttgart – Auf die drohenden Folgen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes hat heute der fachübergreifende Ärzteverband Medi-Baden-Württemberg hingewiesen. Grund ist eine Befragung des Verbandes, wonach 95 Prozent der Praxen eine Verschlechterung der Patientenversorgung erwarten.
„Das sind alarmierende Ergebnisse. Die ambulante Versorgungslage hat sich bereits in den vergangenen Jahren durch die demografische Entwicklung, den zunehmenden Versorgungsbedarf und den fehlenden Praxis-Nachwuchs deutlich verschlechtert“, skizzierte Norbert Smetak, Vorsitzender von Medi Baden-Württemberg, den Status Quo.
Das spürten die Patienten täglich. Schon heute seien rund 1.000 Hausarztsitze in Baden-Württemberg vakant. Das Sparpaket werde zwangsläufig eine weitere Zuspitzung dieser Problematik bringen.
Durch die Sparmaßnahmen bei Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten werde es zu einer deutlichen Reduzierung der Leistungen kommen, warnte Smetak. Dies sei die logische Konsequenz, wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck gerieten.
Wie die Befragungsergebnisse zeigen, planen mehr als 90 Prozent der Praxen Maßnahmen, um dem GKV-Sparpaket zu begegnen. Zu welchen Konsequenzen es in den Praxen konkret kommen könnte, wurde ebenfalls abgefragt.
Demnach planen beispielsweise 69 Prozent den Ausbau von Privatleistungen, 53 Prozent die Reduzierung von GKV-Sprechstundenzeiten sowie 39 Prozent eine Reduzierung des Versorgungsumfangs. Darüber hinaus gaben 15 Prozent der Befragten an, eine Aufgabe ihrer eigenen Niederlassung in Erwägung zu ziehen.
Den Ergebnissen zufolge fühlen sich 85 Prozent der Befragten durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz stark belastet – 46 Prozent davon sehr stark, 39 Prozent stark. Rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer (51 Prozent) bewertete die Zukunft der eigenen Praxis pessimistisch.
Nahezu alle (97 Prozent) Befragten erwarten einen Honorarverlust, etwa die Hälfte im Volumen von mehr als 20.000 Euro pro Jahr. Diesen Honorareinbußen stünden erhebliche Kostensteigerungen gegenüber, betonte Smetak.
„Wir möchten die Politik eindringlich warnen, dass diese Sparmaßnahmen erhebliche Folgen für die ambulante Versorgung und die Patientinnen und Patienten haben werden. Die Honorarkürzungen werden zu einer Zwei-Klassen-Medizin führen“, sagte Michael Eckstein, stellvertretender Medi-Vorsitzender. Diese Entwicklung bewerte man als sehr problematisch – sie sei ausdrücklich nicht im Sinne der niedergelassenen Ärzte- und Psychotherapeutenschaft.
Medi verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass man seit Jahren umfassende Strukturreformen fordere, die das Gesundheitssystem nachhaltig entlasten könnten. Dazu gehörten eine strukturierte Patientensteuerung, Maßnahmen zur Entbürokratisierung und Ambulantisierung sowie eine effizientere Digitalisierung. Zudem sollten Haus- und Facharztverträge weiter ausgebaut und bundesweit ausgerollt werden.
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