Impfkommission: Grippeimpfung trotz Corona vor allem für Risikogruppen
Berlin – Trotz der Coronapandemie spricht sich die Ständige Impfkommission (STIKO) weiterhin für Grippeimpfungen vor allem für Risikogruppen aus. Der Fokus in der Grippesaison 2020/21 solle „klar auf Risikogruppen für schwere Krankheitsverläufe liegen“, schreibt das Expertengremium am Robert-Koch-Institut (RKI) in einer aktuellen Stellungnahme. Als Beispiele werden Senioren und chronisch Kranke genannt.
Die STIKO stellt sich damit gegen Vorschläge, die entsprechende Impfempfehlung auf die gesamte Bevölkerung in Deutschland auszuweiten. Zum Schutz der Menschen und zur Entlastung der Gesundheitssysteme sei der größte Effekt zu erreichen, wenn die Impfquoten vor allem in den Risikogruppen „erheblich gesteigert“ würden, betont die Kommission. Möglichst geimpft werden sollten laut dem Papier auch Ärzte, Pflegekräfte, Schwangere und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen.
„Durch eine Ausweitung der Impfempfehlung auf die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland könnte es zu einer Unterversorgung der Risikogruppen kommen“, lautet eines der Argumente. Demnach wird für die nächste Grippesaison mit etwa 25 Millionen Dosen Impfstoff gerechnet – deutlich mehr als in den vergangenen Jahren.
Weiter hieß es, gleichzeitige Infektionen mit Corona und Grippe seien zwar beschrieben. Diese würden bislang aber nicht auf schwerere Verläufe für COVID-19 in Nicht-Risikogruppen hindeuten. Schutzeffekte für die Gemeinschaft durch Impfung dieser Gruppen würden „aufgrund von kontaktreduzierenden Maßnahmen im Rahmen der COVID-19-Bekämpfung von begrenzter Wirkung“ sein. So sei nach den Kontaktbeschränkungen im März die Zahl der Grippefälle sehr deutlich und abrupt gesunken.
CDU-Gesundheitspolitiker Alexander Krauß kritisierte die Empfehlungen der STIKO. „Nur die Risikogruppe wie Über-60-Jährige und chronisch Kranke in den Fokus zu nehmen, reicht nicht“, sagte Krauß. Die Kommission hätte als Ziel Impfschutz für alle ausgeben sollen, sagte der CDU-Gesundheitspolitiker.
Die STIKO erwecke zudem den Eindruck, als gebe es im Herbst zu wenig Impfstoff. Mit mehr als 25 Millionen Dosen stünden in der kommenden Saison jedoch mehr zur Verfügung als jemals zuvor.
Die STIKO merkt genau dies ebenfalls in ihrer Stellungnahme an, weist aber auch darauf hin, dass diese Zahl nicht für die Impfung der gesamten Bevölkerung ausreicht. Laut dem Statistischem Bundesamt lebten im Jahr 2019 knapp 24 Millionen Über-60-Jährige in Deutschland – hinzu kommen mehrere Millionen chronisch Kranke.
Über die für die folgenden Jahre erforderlichen Impfstoffmengen sollte deshalb bereits jetzt nachgedacht und frühzeitig Aktivitäten zur Sicherstellung der benötigten Impfstoffmengen unternommen werden, so die STIKO.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: