Ärzteschaft

KBV-Vize Hofmeister warnt vor Schwächung der ambulanten Versorgung

  • Freitag, 23. September 2022
Der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende, Stephan Hofmeister, berichtet an die KBV-Vertreterversammlung. / Screenshot DÄ
Der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende, Stephan Hofmeister, berichtet an die KBV-Vertreterversammlung. / Screenshot DÄ

Berlin – Die ambulante Versorgung stehe „auf zunehmend tönernen Füßen“, warnte heute der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, im Rahmen der KBV-Vertreterversammlung.

Die geplante Abschaffung der Neupatientenregelung sowie der „erschreckende Schiedsspruch im Erweiterten Bewertungsausschuss“ seien weitere „Schläge mit der Abrissbirne“, so Hofmeister. Trotz anderslautender Be­kundungen im Koalitionsvertrag gehe die Politik gegen die Praxen vor.

Dass die ambulante Versorgung bröckle, hätten bislang vor allem die Praxen zu spüren bekommen – eine „zwangsläufige Folge der aktuellen Politik“ sei aber, dass auch die Versorgung der Patienten leiden werde.

Mittlerweile seien auch Landräte und Bürgermeister zunehmend alarmiert. „Wenn in den Kommunen Praxen schließen und die Menschen keinen Arzt mehr finden, dann merkt auch die Politik vor Ort, dass sich die Dinge in die falsche Richtung entwickeln.“

In Deutschland seien schon jetzt über 4.000 Hausarztsitze nicht besetzt, hinzu kämen mehr als 9.500 offene Stellen für Medizinische Fachangestellte, erklärte Hofmeister. „Was nützt den Menschen ein Gesundheitskiosk, wenn keine Praxis angebunden ist, welche bei Bedarf Patienten aufnehmen kann?“

Es gebe kein Substitut für Ärzte, auch wenn Politik das glauben machen wolle. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass man hier einen schleichenden Systemwechsel herbeiführen will“, so Hofmeister.

Es gehe in dieser Angelegenheit nicht nur um Geld, betonte der KBV-Vize. Mangelnde Verlässlichkeit, verbun­den mit einem „weit über der Inflation“ liegenden Betriebskostenanstieg in den vergangenen Jahren und der Weigerung der gesetzlichen Krankenversicherung und des Staates, die ambulante Versorgung zu stützen – all dies sei kontraproduktiv, um die Niederlassung in eigener Praxis als attraktives Zukunftsmodell für den Nach­wuchs zu präsentieren.

Hofmeister nannte drei Mechanismen, um gegenzusteuern. Neben einer auskömmlichen Finanzierung seien eine „echte Entbürokratisierung“ sowie eine funktionierende Digitalisierung notwendig. „Es geht um den Er­halt der Struktur der ambulanten ärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung!“, betonte er. „Wir brau­chen keine Ersatzstrukturen, wenn dafür gesorgt ist, dass das Vorhandene funktionieren kann.“

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, warnte in diesem Zusammenhang, schaffe die Politik keine adäquaten Möglichkeiten für das KV-System, die Sicherstellung zu gewährleisten, drohe eine „Implosion“ der ambulanten medizinischen Versorgung.

aha

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung