Ärzteschaft

Energiekrise: KBV sorgt sich, dass in den Praxen die Lichter ausgehen

  • Donnerstag, 22. September 2022
Stephan Hofmeister /Lopata
Stephan Hofmeister /Lopata

Berlin – Wie bei anderen Industrie- und Wirtschaftsbetrieben auch sollte der Bund die Praxen in der Energie­krise unterstützen. Wenn es der Bund nicht tut, müssen es die Krankenkassen. Diese Ansicht vertritt der stell­vertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, in einem neuen Videointerview.

„Die Praxen sind kritische Infrastruktur in Deutschland“, erläuterte Hofmeister. Sie sicherten mit mehr als 600 Millionen Behandlungsfällen im Jahr die Versorgung der Bevölkerung.

Man könne es sich „nicht leisten, dass in den Praxen die Lichter ausgehen, nicht mehr geheizt werden kann oder die Geräte nicht betrieben werden können“. Insofern sei es dringend geboten, dass der Staat „dort mit einem Schutzschirm einschreitet oder die gesetzlichen Krankenkassen diese Aufgabe übernehmen“.

Hofmeister machte deutlich, dass die Praxen in Deutschland unterschiedlich von der Energiekrise betroffen sind. Die Praxen, die eher konservativ arbeiteten, seien mindestens in dem Maße betroffen wie alle anderen Haushalte auch. Sie müssten heizen, verbrauchten Strom.

Die Kosten explodierten dort wie in jedem anderen Haushalt auch. Der KBV-Vize bemängelte, dass das in den Steigerungsraten für den Orientierungswert im kommenden Jahr nicht aufgefangen werde. Das habe die KBV „sehr moniert“.

Eine Gruppe, die besonders betroffen sind, sind die Praxen mit einem besonders hohen Energiever­brauch. „Denken Sie an die Radiologen, an die Strahlentherapeuten oder auch die Dialysepraxen, die einfach sehr, sehr viel Energie verbrauchen, die zum Teil Strom an den Spotmärkten kaufen, also gar nicht vom Elektrizi­täts­werk, vom lokalen Anbieter, sondern wirklich am Tagesmarkt, so wie die Industrie“, erklärte er weiter.

Hofmeister betonte, bei diesen Praxen seien die Kosten so explosiv gestiegen, dass tatsächlich im einen oder anderen Fall drohe, dass diese Praxen ihre Geräte nicht mehr betreiben könnten. „Da muss ganz dringend ein Schutzschirm her, so wie er auch für die Krankenhäuser angekündigt ist“.

Der Vorwurf von Hofmeister an die Politik ist, dass diese erneut „den ambulanten Bereich vergessen oder nicht im Auge“ hat. Auch vom GKV-Spitzenverband gebe es bisher kein Angebot, wie man dort sicher­stellen wolle, dass die Praxen sich diese Energiekosten auch noch leisten könnten.

Man sei aber dazu in Gesprächen, sagte Hofmeister. „Wir haben diese Forderung bereits auch sowohl an das BMG und das Wirtschaftsministerium herangetragen als auch an den GKV-Spitzenverband.“

Dass die steigenden Kosten den Ärzten Sorgen bereiten haben Äußerungen aus verschiedenen Verbänden und auch von einer Reihe von Kassenärztlichen Vereinigungen und Ärztekammern in den vergangenen Tagen und Wochen gezeigt.

Gestern reagierte zum Beispiel die Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen. Sie fordert in einer Reso­lution die Politik auf, Kliniken und Praxen die durch Inflation und gestiegene Energiepreise be­dingten Mehr­kosten zu ersetzen.

„Explodierende Energiekosten und hohe Inflationsraten führen zu einer Bedrohung der Daseinsvorsorge“, warnen die Delegierten, denn die geltenden Vergütungssysteme bildeten die aktuellen Kostensteigerungen im Gesundheitswesen weder im ambulanten noch im stationären Bereich ab.

Kliniken gerieten so unver­schuldet in die Gefahr einer Insolvenz und damit einer Schließung. Auch Praxen könnten gezwungen sein, ihren Betrieb einzuschränken oder gar einzustellen.

Die Delegierten warnen vor einer kalten Strukturbereinigung, also einem unstrukturierten Abbau von Kliniken und Praxen. Dies gefährde die Patientenversorgung und werde langfristig zu einer Unterversorgung führen. „Der Wiederaufbau notwendiger Klinik- und Praxisstrukturen würde, sofern überhaupt noch möglich, deutlich mehr Kosten verursachen als sofortige Hilfen“, verdeutlichen die hessischen Kammerdelegierten.

may/hil

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