Politik

Kinderärzte und Spahn werben für Impfpflicht gegen Masern

  • Freitag, 18. Oktober 2019
Deutschlandweit haben sich die Zahlen von 924 Masern-Fällen im Jahr 2017 beinahe halbiert. /picture alliance
/dpa

Berlin – Der Bundestag hat sich heute erstmals mit den Gesetzesplänen für eine Impf­pflicht gegen Masern befasst. Der Verband der Kinder- und Jugendärzte warb aus diesem Anlass ebenso wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für das Vorhaben. „Im Jahr 2019 sollte kein Kind und kein Erwachsener in Deutschland mehr an Masern erkran­ken müssen“, sagte Spahn der ARD.

Die geplante Impfpflicht soll für Kindertagesstätten, Schulen, andere Gemeinschaftsein­rich­tungen, bei der Tagespflege und in Flüchtlingsunterkünften gelten. Dies gilt auch für das dort tätige Personal, ebenso wie für Mitarbeiter medizinischer Einrichtungen. Nicht geimpfte Kinder können demnach vom Kita-Besuch ausgeschlossen werden, in anderen Fällen drohen Bußgelder. Über das Vorhaben wird nun zunächst in den Ausschüssen weiter beraten.

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, sagte dazu der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Das ist ein ganz wichtiges Werkzeug, um die Ma­sern endlich auszurotten.“ Hierbei habe es bisher wenig Fortschritte gegeben. „Die Impf­quoten liegen noch deutlich zu niedrig. Außerdem impfen wir zu spät“, kritisierte Fisch­bach.

Der Verbandspräsident forderte den Gesetzgeber auf, auch Impfungen gegen andere Krankheiten vorzuschreiben. „Das Problem hört bei Masern nicht auf. Eine Impfpflicht für andere ansteckende Krankheiten wie Keuchhusten würde helfen, gerade die kleinsten Kinder zu schützen. Die Franzosen machen es vor, und das zeigt Wirkung.“

Neben einer Impfpflicht sei auch ein „Impf-Informationssystem“ notwendig, mit dem El­tern automatisch erinnert würden, ihre Kinder rechtzeitig impfen zu lassen, sagte Fisch­bach. Auch müsse endlich der „elektronische Impfpass“ eingeführt werden.

Auch Spahn verteidigte das Vorhaben gegen Kritik. Es habe sich gezeigt, dass Aufklärung alleine nicht ausreichend sei. „Wir haben immer wieder Masernausbrüche in Kindergär­ten, in Schulen in Deutschland“, sagte der Minister im ARD-Morgenmagazin.

Die Krankheit sei „höchst ansteckend“ und könne einen gefährlichen Verlauf nehmen, argumentierte er weiter. Dies sei aber einfach zu verhindern, da es eine „sehr erprobte Impfung“ gegen Masern gebe. Darüber hinaus müsse aber auch noch mehr aufgeklärt werden.

„Nur eine hohe Durchimpfungsrate in der Bevölkerung schützt all diejenigen, die sich beispielsweise aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können“, sprach sich auch der SPD-Gesundheitspolitiker Dirk Heidenblut für die Impfpflicht aus. „Impfverweigerer gefährden nicht nur sich, sondern auch andere“, warnte er weiter. Auf die Notwendigkeit einer hohen Impfquote zur Herstellung der Herdenimmunität verwies auch die CDU-Gesundheitsexpertin Karin Maag.

Die Grünen fordern in einem eigenen Antrag, neben den Plänen auch die Bemühungen um eine höhere Impfquote bei Erwachsenen durch weitere, gezielte Maßnahmen zu verstärken. Die FDP drängt in einem Antrag auf die flächendeckende Ausgabe eines digitalen Impfausweises.

afp

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