Krankenhausreform: Brandenburgs Krankenhäuser erleben turbulente Zeiten

Potsdam – Die Krankenhauslandschaft kommt im Vorfeld der geplanten Krankenhausreform des Bundes in vielen Bundesländern weiter nicht zur Ruhe. Das hat bereits ganz konkrete Folgen, wie das Beispiel Brandenburg zeigt.
Dort entließ zum Beispiel im Elbe-Elster-Kreis der dortige Landrat Marcel Schmidt (parteilos) in dieser Woche den bisherigen Geschäftsführer des Elbe-Elster-Klinikums Michael Winkler. In Elbe-Elster gibt es seit langem Streit um die künftige Krankenhausversorgung: Während das kommunale Klinikum bisher über drei Standorte in Herzberg, Finsterwalde und Elsterwerda verfügt, soll künftig ein zentrales Krankenhaus entstehen.
Für Aufsehen sorgte nun, dass der Landrat mit dem Krankenhausmanager Mirko Papenfuß einen hochrangigen Vertreter des Klinikkonzerns Sana als Interimsgeschäftsführer einsetzte. „Herr Papenfuß wird die Lage objektiv analysieren und gemeinsam mit den Beschäftigten, Führungskräften und Gremien die nötigen Schritte für eine stabile und zukunftsfähige Entwicklung des Klinikums einleiten“, erklärte Schmidt.
Der Vorsitzende der CDU/HZ-Kreistagsfraktion, Sebastian Loos, warf Schmidt nun vor, im Hintergrund strategische Entscheidungen vorzubereiten – denn auch die Beratungsfirma, die das Elbe-Elster-Klinikum extern prüfe, arbeite mit Sana zusammen.
Sollte hier schrittweise eine Privatisierung des Elbe-Elster-Klinikums vorbereitet werden, wäre das ein massiver Vertrauensbruch gegenüber Beschäftigten, Patientinnen und Patienten sowie den Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises. Auch der gesundheitspolitische Sprecher der BSW-Landtagsfraktion, Andreas Kutsche, zeigte sich alarmiert.
Privatisierung durch die Hintertür
„Erst wird das kommunale Klinikum extern durchleuchtet, dann wird der Geschäftsführer überraschend vor die Tür gesetzt und anschließend soll ein führender Manager eines privaten Klinikkonzerns übernehmen“, sagte Kutsche. „Da drängt sich die Frage auf: Wird das Elbe-Elster-Klinikum gerade für Sana zurechtgemacht?“ Eine Privatisierung durch die Hintertür sei mit dem BSW aber nicht zu machen.
Unterdessen erhielt die Brandenburger AfD-Fraktion Antwort auf eine „Kleine Anfrage“ zu einem zweiten Beispiel, das die Brandenburger Krankenhauslandschaft durcheinander wirbelt: Die geplanten Schließungen von Klinikstationen im Potsdamer St.-Joseph-Krankenhaus und dem städtischen Ernst-von-Bergmann-Klinikum, die am jeweils anderen Krankenhaus ersetzt werden sollen.
In der Antwort verteidigt das von René Wilke (SPD) geführte Gesundheitsministerium die Verlagerungen erneut: „Die jetzt in Potsdam eingetretenen Veränderungen sind Folgen der Krankenhausreform, die insbesondere darauf setzt, dass spezialisierte Angebote konzentriert werden, um Stabilität und Qualität der Angebote langfristig zu sichern und ineffiziente Doppelvorhaltungen in unmittelbarer Nähe zueinander zu reduzieren.“
Die Zusammenführung der Angebote sei als „vorausschauende Anpassung der regionalen Versorgungsstruktur an die künftige Krankenhausplanung und die bundesrechtlich angelegte Leistungsgruppensystematik“ zu verstehen. Die AfD-Gesundheitspolitikerin Daniela Oeynhausen fürchtet hingegen, dass insbesondere das Bergmann-Klinikum zusätzliche Patienten nicht ohne Qualitätsverlust versorgen könne.
Ein drittes Beispiel für einen Brandenburger Krankenhausstandort, um den es lange Streit gab, ist Wittstock im Nordwesten des Landes. Dort hatte der Klinikkonzern KMG die Schließung des lediglich aus einer Kardiologie und einer Gastroenterologie bestehenden KMG-Klinikums Wittstock und die Verlagerung der entsprechenden Stationen nach Pritzwalk angekündigt.
Dieses Vorhaben scheint mittlerweile auf einem guten Weg zu sein: In Pritzwalk haben nach Angaben des Klinikums die Bauarbeiten für zwei neue Herzkatheterlabore begonnen. Zudem sollen bis zum Jahresende die Kapazitäten der Intensivstation erweitert und eine Intermediate-Care-Station als Bindeglied zwischen der Intensiv- und der Normalstation errichtet werden.
Unterdessen legt ein hochrangiger Brandenburger Gesundheitspolitiker selbst Hand an die Ambulantisierung stationärer Leistungen an: Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Michael Schierack, der als Orthopäde in Cottbus praktiziert, stellte am Freitag zusammen mit seinem Praxiskollegen ein von seiner Praxis erfolgreich eingesetztes Konzept für die Ambulantisierung von endoprothetischen Operationen vor.
Bereits rund 60 Patienten haben Schierack und sein ärztlicher Kollege Martin Zoepp im Spremberger Krankenhaus neue Gelenke eingesetzt, ohne dass ein mehrtägiger stationärer Aufenthalt erforderlich wurde. Stattdessen wurden die Patienten bereits nach einem Tag entlassen.
„Wir müssen davon abkommen, so viele Operationen wie möglich stationär im Krankenhaus durchzuführen“, sagte Zoepp. Stattdessen setzt der Mediziner auf eine konsequente Betreuung der Patienten aus einer Hand: Schon vor der Operation in Senftenberg kümmert sich ein Case-Manager um die Patienten.
Hilfsmittel, Termine bei der Physiotherapie und in der Reha werden vorab und aus einer Hand gebucht. Eine speziell entwickelte App fragt regelmäßig das Befinden der Patienten ab und dient der direkten Kommunikation mit dem behandelnden Arzt, auch von zu Hause.
„Wenn man im Gesundheitswesen ambulantisieren will, muss man mit praktischen Schritten anfangen“, sagte Schierack. Finanziert werden die Operationen von der Barmer und der Techniker Krankenkasse mittels Selektivverträgen.
„Uns hat überzeugt, dass es hier eine Versorgungskette gibt“, sagte Gabriela Leyh, die Landesgeschäftsführerin der Barmer Ersatzkasse. „Vor der Operation erfolgt eine gründliche Vorbereitung, für die Patienten gibt es ein eigenes Seminar zum Umgang mit den Prothesen, alle relevanten Ansprechpartner werden über die App koordiniert – hier wird niemand allein gelassen.“
Das Spremberger Krankenhaus, das noch vor einigen Jahren insolvent war, sieht in diesem Vorgehen indes die Zukunft. „Unser Spremberger Krankenhaus war noch vor nicht allzu langer Zeit in seiner Existenz bedroht“, sagte Geschäftsführer Tobias Grundmann. „Aber wir haben gelernt, neue Wege zu gehen – und das hier ist einer davon.“
Ein weiteres Beispiel wurde gestern aus Bernau bekannt: Das diakonische Immanuel-Klinikum und Herzzentrum Brandenburg in Bernau will seine Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe zum 1. Oktober 2026 schließen.
Die Entscheidung resultiere nach Angaben von Geschäftsführerin Verena Plocher aus einer sinkenden Geburtenrate, anhaltendem Fachkräftemangel und den Kürzungen, die das neue GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz für alle Krankenhäuser mit sich bringt. In diesem Jahr sei in Bernau nur durchschnittlich ein Kind pro Tag geboren worden. Offene Stellen konnten trotz intensiver Bemühungen nicht nachbesetzt werden.
„Damit ist leider keine Perspektive für eine zukünftig nachhaltige und gute Entwicklung der Geburtshilfe in Bernau gegeben“, sagte Plocher. „Das bedeutet zugleich, dass wir auch die Frauenheilkunde nicht länger aufrechterhalten können.“ Künftig sollen die in 20 bis 30 Minuten Entfernung erreichbaren Geburtskliniken in Rüdersdorf, Berlin-Buch, Oranienburg und Eberswalde die Versorgung der Patientinnen übernehmen.
Das Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg, das Universitätsklinikum der Medizinischen Hochschule Brandenburg ist, werde künftig seine Schwerpunkte in der Kardiologie, Herz- und Gefäßchirurgie sowie die Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie weiter stärken. Auch die Chirurgie und Innere Medizin böten bereits heute ein stark spezialisiertes, wachsendes Angebot, das künftig weiter ausgebaut werde.
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