Krankenkassen erzielen Überschuss von 3,5 Milliarden Euro

Berlin – Die Krankenkassen haben das vergangene Jahr mit einem Überschuss von 3,5 Milliarden Euro abgeschlossen. Der GKV-Spitzenverband bestätigte auf Anfrage einen entsprechenden Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung. Wann die vollständigen Zahlen vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) bekanntgegeben werden, ist noch unklar. Das könnte am morgigen Freitag der Fall sein.
Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung sind demnach im vergangenen Jahr um 7,9 Prozent gestiegen. Die beitragspflichtigen Einnahmen haben hingegen um 5,3 Prozent zugenommen. Ohne die Beitragserhöhungen zum Jahreswechsel 2024/2025 hätten die Krankenkassen die Ausgaben nicht finanzieren können, erklärte der GKV-Spitzenverband.
Derselbe Effekt werde nach Prognose des GKV-Schätzerkreises in diesem Jahr eintreten. Der Ausgabenanstieg werde mit 6,6 Prozent über dem erwarteten Anstieg der beitragspflichtigen Einnahmen von 4,9 Prozent liegen. Die erwartete Lücke werde nur durch die Beitragsanhebungen zum 1. Januar 2026 geschlossen.
Am meisten Geld floss im Jahr 2025 in den Bereich Krankenhaus. Die Ausgaben für die Kliniken stiegen um knapp zehn Prozent auf 111 Milliarden Euro. Die Kosten für die ambulante Versorgung stiegen um 7,6 Prozent auf 54 Milliarden Euro. Für Arzneimittel gaben die Kassen 58 Milliarden Euro aus, ein Plus von 5,9 Prozent im Vergleich zu 2024.
„Trotz des Überschusses gibt es null Grund zur Entwarnung“, sagte Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbands. Das Plus reiche nicht aus, um die Reserven der Kassen zu füllen, wozu diese verpflichtet seien. Etliche Krankenkassen hätten schon im Laufe des vergangenen Jahres ihre Beiträge erhöht. Zum Jahreswechsel folgte die Anhebung der Zusatzbeitragssätze um durchschnittlich einen Prozentpunkt auf 3,13 Prozent.
Dass der Zusatzbeitrag gesenkt werden könne, sei derzeit illusorisch, so Blatt. „Im Gegenteil: Wenn in diesem Jahr keine wirksamen Strukturreformen beschlossen werden, um den Ausgabenanstieg deutlich zu drosseln, wird ein Großteil der Kassen spätestens zum nächsten Jahreswechsel die Beiträge abermals anheben müssen.“
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant wegen der erwarteten Milliardenlücke tiefgreifende Reformen. Vorschläge dafür soll eine damit beauftragte Kommission Ende März vorlegen.
Der GKV-Spitzenverband hatte im Dezember ein auf mehrere Jahre angelegtes Sparpaket im Volumen von 50 Milliarden Euro vorgeschlagen. Sparpotenzial sieht der Verband insbesondere bei Kliniken, bei der Abschaffung der teilweisen Doppelfinanzierung von Arztterminen sowie bei Arzneimitteln. Vorschläge für Reformen haben auch die Leistungserbringer vorgelegt.
Die Krankenhäuser wiesen heute darauf hin, dass die Zahlen gute Nachrichten seien. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Überschuss nur deswegen möglich wurde, weil Krankenhausträger, unter anderem Kommunen, die Defizite der Kliniken aus eigenen Mitteln mit teilweise großer Kraftanstrengung ausgeglichen haben und weil der Bund die Einnahmelücke der Kliniken mit befristeten Rechnungszuschlägen ausgeglichen hat“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß.
Noch deutlich höher wäre das Einnahmeplus der Kassen, wenn die Zuschüsse für Transfergeldbeziehende wie vorgesehen in voller Höhe aus dem Bundeshaushalt beglichen würden, anstatt dass sie die gesetzlich Versicherten tragen müssen. Das würde immerhin zehn Milliarden Euro mehr in die Kassen spülen. Wenigstens fünf Milliarden brächte die Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel, so die DKG. Und erhebliche Summen ließen sich mit schlankeren Verwaltungsstrukturen der Kassen sparen.
Christos Pantanis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, betonte heute ebenso die Notwendigkeit weiterer Strukturreformen im Gesundheitssystem. Der Überschuss zeige, dass die gesetzliche Krankenversicherung trotz erheblicher Belastungen weiterhin stabil aufgestellt sei. „Gleichzeitig wäre es jedoch falsch, daraus eine finanzpolitische Entwarnung abzuleiten.“
Er betonte, die Ausgabendynamik bleibe hoch – insbesondere in der Krankenhausversorgung, der ambulanten Versorgung sowie bei Arzneimitteln. Die GKV habe derzeit weniger ein Einnahmeproblem als vielmehr ein Ausgabenproblem. Entscheidend sei, dass man die notwendigen Strukturreformen konsequent vorantreibe. Nachhaltige finanzielle Stabilität erreiche man „nicht durch kurzfristige Sparprogramme, sondern durch eine kluge Modernisierung der Versorgungsstrukturen“.
Genau deshalb beschließe der Bundestag morgen die Weiterentwicklung der Krankenhausreform mit dem Krankenhausreformanpassungsgesetz. Damit beschleunige man den notwendigen Transformationsprozess im stationären Bereich, stärke die Versorgungsqualität und hebe zugleich Effizienzreserven im System.
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