Ärzteschaft

KV Saarland drängt auf konsequentere Patientensteuerung

  • Donnerstag, 26. Februar 2026
/Nopphon, stock.adobe.com
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Saarbrücken – Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Saarland warnt vor Engpässen in der Gesundheitsversorgung, weil eine alternde Bevölkerung mit immer höherem medizinischen Bedarf auf begrenzte Ressourcen trifft. Die Politik müsse der Bevölkerung daher ehrlich kommunizieren, dass sich die medizinische Versorgung in Zukunft ändern müsse.

„Ohne eine Patientensteuerung kann das Gesundheitswesen mit weniger medizinischem Personal bei steigendem Leistungsbedarf auf Dauer nicht funktionieren. Es muss akzeptiert werden, dass die Wege für medizinische Versorgung weiter und die Wartezeiten länger werden“, schreiben der Vorstandsvorsitzender der KV, Harry Derouet, und sein Stellvertreter, Thomas Rehlinger, im Vorwort des neuen KV-Versorgungsberichtes.

Darin gibt die eine Bestandsaufnahme der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung im Saarland und stellt Maßnahmen und Projekte vor, mit denen sie auch mittel- und langfristig eine qualitativ hochwertige ambulante medizinische Versorgung im Saarland sichern möchte.

Laut dem Bericht sind in dem Bundesland 1.045 Vertragsfachärzte und 658 Hausärzte tätig. Hinzu kommen 474 Vertragspsychotherapeuten.

„Die Zahl der Vertragsärztinnen und -ärzte, die an der Versorgung teilnehmen, ist rückläufig“, erläuterte Derouet. Inzwischen seien 20,9 Prozent der KV-Mitglieder im Saarland 65 Jahre alt oder älter. Bis zum Jahr 2036 würden den ausscheidenden Ärzten zu wenige Absolventen gegenüberstehen.

Die alternde Gesellschaft erhöhe zusätzlich den Bedarf an medizinischer Versorgung, betonte er. Gleichzeitig werde die Arztzeit, die für die eigentliche Versorgung von Patienten zur Verfügung stehe, durch Bürokratie und andere Zeitfresser ständig verkürzt.

„Auch die Mehrfachinanspruchnahme von Ärzten ist ein Problem. Manche Patientinnen und Patienten haben mehrere Hausärzte parallel oder konsultieren verschiedene Fachgruppen. Das verursacht erhebliche Mehrkosten und blockiert Ressourcen für andere Behandlungen“, ergänzt Rehlinger. 

Er fordert außerdem eine vollständige Entbudgetierung von Leistungen. „Die Leistungserbringer können nicht für die unzureichend vorhandenen Finanzmittel verantwortlich gemacht werden. Das gibt es in keinem anderen Land der Welt“, kritisiert er.

Nötig sei zudem eine Neuberechnung der Ziffern des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes. Ziel sei, dass Praxen aus den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ein auskömmliches Einkommen habe. „Es kann nicht sein, dass man zwingend auf die Einnahmen der Privatversicherung angewiesen ist, um eine Praxis wirtschaftlich zu betreiben“, so der KV-Vize.

hil

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