LÄK Hessen: Digitalisierung kein Ersatz für fehlende Ärzte

Frankfurt – Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kann dabei helfen, die Gesundheit der Menschen zu stärken, die Krankenversorgung zu verbessern und das medizinische Fachpersonal zu entlasten. Das hat der Präsident der Landesärztekammer Hessen, Edgar Pinkowski, betont.
„Man darf von der Digitalisierung allerdings keine Wunder erwarten, denn sie ist Hilfsmittel und kein Ersatz für fehlende Ärzte“, relativierte der Ärztekammerpräsident bei einem Pressegespräch eine von Politikern und der Industrie geschürte Vorstellung von einer „digitalen Revolution“.
Er warnte, nach wie vor sei das Problem des Datenschutzes nicht befriedigend gelöst. Auch werde eine Künstliche Intelligenz (KI) nie menschliche Empathie ersetzen können. „Aber wenn die Digitalisierung dazu führt, dass Ärzte mehr Zeit für die Patienten haben, ist KI ein nützliches Instrument“, so Pinkowski. „Ärzte sind keine Digitalverhinderer oder -bremser“, betonte er.
Für einen nüchternen Umgang mit der Digitalisierung tritt auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ein. „Wir unterstützen die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Sie ist aber kein Selbstzweck“, sagte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Stephan Hofmeister im Vorfeld einer Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss des Bundestages zum „Digitale-Versorgung-Gesetz“ (DVG).
Er betonte, die Digitalisierung müsse die Arbeit von Ärzten und Psychotherapeuten erleichtern und dürfe keine finanziellen Belastungen für die Praxen mit sich bringen. Zudem sollten KBV und Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) bei den künftigen digitalen Versorgungsangeboten eng eingebunden sein, forderte er.
Laut der Ärztekammer Hessen fehlen allerdings gerade in Flächenländern in Deutschland entscheidende Voraussetzungen für digitale Anwendungen: Noch immer gebe es keinen flächendeckenden Zugang zu mobilem W-Lan und keine lückenlose Mobilfunkverbindung – Deutschland sei in diesem Bereich im internationalen Vergleich ein Entwicklungsland, so Pinkowski.
Thomas Friedl vom Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health Hessen und der Technischen Hochschule Mittelhessen prangerte auf der Veranstaltung ebenfalls die Verbindungsprobleme an. Eine stabile und sichere Datenübertragung aus dem Einsatzwagen an ein Krankenhaus sei kaum möglich, so der Experte.
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