Politik

Linnemann plant Veränderungen bei Struktur der Krankenkassen

  • Dienstag, 3. November 2026
Carsten Linnemann (CDU), Bundesminister für Gesundheit /picture alliance, Andreas Gora, Lenny Karpe
Carsten Linnemann (CDU), Bundesminister für Gesundheit /picture alliance, Andreas Gora, Lenny Karpe
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Berlin – Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will die Struktur der Krankenkassen ändern. „Mir geht es nicht allein um die Größe, sondern darum, was eine Krankenkasse leisten muss, etwa im digitalen Zeitalter“, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt. Entscheidend seien aus seiner Sicht auch die Datenverarbeitung und Künstliche Intelligenz (KI).

Linnemann hatte im April 2026, damals noch als CDU-Generalsekretär, vorgeschlagen, die Zahl der Kassen zu senken. Im August brachte er die Anzahl von maximal 20 in die Debatte ein. Anfang 2026 gab es nach Angaben des GKV-Spitzenverbands 93 Krankenkassen in Deutschland.

Von weniger Kassen erhofft sich Linnemann vor allem weniger Verwaltungsaufwand und geringere Kosten. Im Handelsblatt erklärte er nun, dass er zunächst den Bericht der Finanzkommission abwarten wolle, die ihre Vorschläge für eine Reform Ende Dezember vorlegen möchte.

Die Zeitung verwies auf Zahlen des IT-Dienstleisters Bitmarck. Nach dessen Angaben haben von 68 Betriebskrankenkassen, die Bitmarck mit IT-Dienstleistungen versorgt, 55 höchstens 250.000 Versicherte. Eine solche Mindestgröße hatte Linnemann früher ins Spiel gebracht. Verbindlich ist sie nicht.

Für eine gesetzlich vorgeschriebene Mindestgröße oder eine allgemeine Reduzierung der Kassenzahl wären neue rechtliche Vorgaben nötig. Einen konkreten Gesetzentwurf dazu gibt es bislang nicht. Fusionen erfolgen laut Sozialgesetzbuch grundsätzlich freiwillig. Das geltende Recht sieht unter bestimmten Voraussetzungen allerdings auch andere Wege für Zusammenschlüsse vor.

Annika Herr, Gesundheitsökonomin an der Leibniz Universität Hannover, sieht Vorteile großer Krankenkassen vor allem bei der Verwaltung. Entwicklung, Einführung und Wartung digitaler Anwendungen sind teuer. Große Kassen könnten diese Ausgaben auf mehr Versicherte verteilen und verfügten über größere Datenbestände für KI-Modelle. Das mache sie aber nicht automatisch leistungsfähiger.

„Die Zahl der Versicherten allein ist kein verlässlicher Indikator für digitale Leistungsfähigkeit“, sagte Herr. Auch eine bessere medizinische Versorgung durch größere Kassen sei wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.

kna

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