Vermischtes

Mehr Frauen und Mädchen in Deutschland von Genitalverstümmelung betroffen

  • Dienstag, 18. Juli 2017

Berlin – Aufgrund der starken Zuwanderung ist die Zahl der von Genitalverstümmelung betroffenen Mädchen und Frauen in Deutschland deutlich gestiegen. Aktuell seien geschätzt 58.000 Frauen betroffen und mindestens 13.000 weitere Mädchen gefährdet, teilte die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes heute mit. Demnach ist die Zahl der betrof­fe­nen Frauen gegenüber 2016 um 10.000 gestiegen, die der gefährdeten Mäd­chen um 4.000.

„Der Anstieg ist besonders auf verstärkte Migration aus Ländern zurückzuführen, in denen weibliche Genitalverstümmelung praktiziert wird“, sagte Charlotte Weil von Terre des Femmes. Das betrifft besonders Irak, Eritrea und Somalia. „Es ist also umso wichtiger, auch hier in Deutschland zum Thema aufzuklären und ins Gespräch mit praktizierenden Communities zu treten, um insbesondere gefährdete Mädchen zu schützen“, fügte Weil hinzu.

Die Verstümmelung der weiblichen Sexualorgane wird in vielen afrikanischen und einigen asiatischen Ländern praktiziert. Sie steht in Deutschland unter Strafe. „Uns sind keine Fälle bekannt, wo Mädchen in Deutschland verstümmelt wurden. Das passiert entweder während eines Heimaturlaubes, oder man sucht Beschneiderinnen aus dem Herkunftsland auf, die in anderen europäischen Städten leben, etwa in Paris oder Amsterdam“, sagte Weil.

Auch die Zahl der Sozialarbeiterinnen, Lehrerinnen und Ärztinnen, die sich bei Terre des Femmes meldeten, um gefährdeten Mädchen zu helfen, sei stark gestiegen. Selte­ner riefen auch Mütter an. Zuwanderer aus dem Senegal und aus Gambia zeigten sich oft offen für Aufklärungsangebote. Migranten aus Guinea und Somalia seien meist nicht bereit, über diese Tradition zu sprechen. Lehrkräfte sollten hellhörig werden, wenn Schülerinnen von einem anstehenden Heimaturlaub und einem geplanten „großen Fest“ berichteten, hieß es.

Bei der Genitalverstümmelung, die in manchen Ländern als wichtiges Element beim Übergang vom Mädchen zur Frau gilt, wird die Klitoris teilweise oder vollständig ent­fernt. Die Opfer leiden unter einer Reihe von gesundheitlichen Folgen wie Blutungen und Schmerzen beim Urinieren, extremen Schmerzen beim Sex, tödlichen Komplikatio­nen beim Gebären und schweren seelischen Traumata.

afp/dpa

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