Merkel sieht Einsatz für Gesundheit weltweit als „Gebot der Menschlichkeit“

Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat erneut das deutsche Engagement bei der Umsetzung des Nachhaltigkeitsziels „Gesundheit für alle“ der Vereinten Nationen (UN) bekräftigt. Sie sprach gestern beim Kongress „Globale Gesundheit stärken – UN-Nachhaltigkeitsziel umsetzen“ der CDU/CSU-Fraktion in Berlin.
Die Bundesregierung habe das Thema bewusst auf die Agenda der G7- und der G20-Staaten gesetzt mit dem Ziel, konkrete Schritte zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele einzuleiten, sagte Merkel. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus zufolge im September dazu einen Aktionsplan vorlegen.
„Gesundheit ist eine Gemeinschaftsaufgabe, in nationaler wie auch in globaler Hinsicht“, erklärte Merkel. Auf Ebene der Einzelstaaten gelte es, Gesundheitssysteme zu stärken, damit Menschen angemessen medizinisch versorgt und Krankheitsrisiken abgesichert werden könnten. Die Gesundheit der Bevölkerung liege auch im volkswirtschaftlichen Interesse. Ohne sie sei Entwicklung nicht möglich. Dazu komme der Kampf gegen grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren wie Pandemien oder Antibiotikaresistenzen.
Deutschland investiere jährlich rund eine Milliarde Euro in internationale Gesundheitsprojekte, sagte die Kanzlerin. Dabei wolle man keine zentralen Lösungen vorgeben, sondern mit den Betroffenen vor Ort partnerschaftlich zusammenarbeiten. Nur dann könne Hilfe nachhaltig wirken. Sie freue sich über den weitreichenden Konsens innerhalb der Bundesregierung, dem Thema Globale Gesundheit einen hohen Stellenwert einzuräumen. „Das ist auch ein Gebot der Menschlichkeit“, sagte die Kanzlerin.
119 Angriffe auf Ebolazentren im Kongo
Viel Lob für das deutsche Engagement kam von WHO-Generalsekretär Ghebreyesus. Deutschland sei einer der größten Unterstützer und Geldgeber der UN-Organisation, sagte er. Das Land unterstütze auch großzügig den Kampf gegen den jüngsten Ebolaausbruch in der Demokratischen Republik Kongo, der durch Mythen, politische Flügelkämpfe und militärische Konflikte zusätzlich erschwert werde.
„Seit Januar hat es im Kongo 119 Angriffe gegen Gesundheitseinrichtungen gegeben“, erklärte Tedros. „Und jeder Angriff verschafft dem Ebolavirus einen Vorteil.“ Einige Hilfsorganisationen hätten sich aufgrund der Angriffe bereits aus dem Kongo zurückgezogen. „Aber das ist keine Option“, meinte der WHO-Generalsekretär. Seit neun Monaten dauere der Kampf gegen die hochgefährliche Infektionskrankheit bereits an. Glücklicherweise habe sie sich noch nicht in die Nachbarländer ausgebreitet. Aber man verfüge im Gegensatz zu dem Ausbruch in Westafrika mit Zehntausenden Toten inzwischen über bessere Behandlungsmöglichkeiten und eine Impfung.
„Wir müssen in bessere Gesundheitssysteme investieren. Nur damit können wir eine ebolafreie Gesellschaft erreichen“, sagte Tedros. Vor diesem Hintergrund habe es für die WHO oberste Priorität, allen Menschen einen Zugang zur Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, wie es die UN-Nachhaltigkeitsziele vorsehen. „Gesundheit ist ein Menschenrecht, das immer noch viel zu vielen Menschen vorenthalten wird“, betonte der WHO-Generalsekretär. Um dieses Ziel zu erreichen, benötige die WHO aber neben dem politischen Rückhalt der UN-Mitgliedstaaten auch eine gesicherte finanzielle Grundlage.
Ausrottung der Masern scheitert an Ländern wie Deutschland
Der Stellenwert, den die Bundesregierung dem Thema Globale Gesundheit einräumt, zeigte sich auch an der Anwesenheit zahlreicher Minister. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) bekräftigten jeweils für ihr eigenes Ressort den Mehrwert, den internationales Engagement in der Gesundheitspolitik schaffen kann.
So betonte Bundesgesundheitsminister Spahn am Beispiel des insbesondere von der WHO vorangetriebenen Kampfes gegen Polio, dass es gelingen könne, Krankheiten auszurotten. „Dass die Ausrottung der Masern jedoch an Ländern wie Deutschland scheitert, treibt mich um“, sagte Spahn.
Entwicklungsminister Müller verwies auf die Möglichkeiten digitaler Technik bei der Versorgung von Patienten in strukturschwachen Regionen. So könne man beispielsweise Drohnen zur Lieferung von Medikamenten einsetzen oder Smartphones zur Krankheitsdokumentation nutzen.
Forschungsministerin Karliczek kündigte an, den Förderschwerpunkt Globale Gesundheit in ihrem Ressort weiter auszubauen. Dazu gehöre es auch, gezielt Forschungskapazitäten in Afrika zu fördern, um dort die Ausbildung von Fachpersonal zu fördern.
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