Neue S3-Leitlinie zum geriatrischen Assessment erschienen

Berlin – Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat eine neue S3-Leitlinie zum umfassenden geriatrischen Assessment (CGA) bei hospitalisierten Patienten in Deutschland veröffentlicht.
Die unter der Federführung der Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) entstandene Leitlinie soll helfen, die Diagnostik und Behandlung älterer Menschen in der Akutmedizin zu verbessern – insbesondere im Hinblick auf die Endpunkte Mortalität, Institutionalierung, (Re-)Hospitalisierung, Funktionalität, Kognition und Delir, Krankenhausaufenthaltsdauer sowie Lebensqualität.
Laut DGG besteht für ältere Menschen ein hohes Risiko, während eines Krankenhausaufenthaltes entweder im Zusammenhang mit dem zur stationären Aufnahme führenden Akutereignis (Erkrankung, Verletzung) oder aufgrund von Komplikationen im Verlauf des stationären Aufenthalts wie Stürzen, Druckgeschwüren oder Delir physische und kognitive Funktionseinbußen zu erleiden.
Diese krankenhausbedingten Behinderungen sind durch einen beschleunigten Funktionsverlust mit gleichzeitigem Verlust der Unabhängigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens gekennzeichnet. Die Prävalenz in der Akutversorgung älterer Erwachsener beziffert die DGG mit 30 Prozent.
Die Folge: Höhere Krankenhauskosten, vermehrte Einweisungen in Pflegeeinrichtungen und erhöhte Mortalität. Ein frühzeitiges Eingreifen sei daher von entscheidender Bedeutung.
Die Basis dafür schafft der DGG zufolge das CGA. Es helfe, im stationären und auch ambulanten Bereich Probleme frühzeitig zu erkennen und darauf adäquat reagieren zu können. Die neue Leitlinie gibt dazu evidenzbasierte Empfehlungen für die Settings Notaufnahme, Onkologie, Orthogeriatrie, Chirurgie und Akutgeriatrie. Im Rahmen zukünftiger Aktualisierungen sollen laut DGG weitere Settings ergänzt werden.
„Eine wichtige Empfehlung der neuen Publikation ist: Ein CGA sollte mindestens 15 Minuten dauern, um therapierelevante Aussagen treffen zu können“, sagte DGG-Präsident Michael Denkinger. Dieses Investment trage dazu bei, die medizinische Versorgung von älteren Menschen zu verbessern und auch die Kosten im Gesundheitssystem zu senken.
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