Niedergelassene Ärzte protestieren auf dem Römerberg

Frankfurt am Main – Aus Protest gegen die aktuelle Gesundheitspolitik haben Hunderte hessische Ärztinnen und Ärzte heute ihre Praxen geschlossen und in Frankfurt demonstriert. Unter dem Motto „Wir sehen schwarz für die Zukunft Ihrer Versorgung“ forderten die Mediziner bereits zum vierten Mal bessere berufliche Rahmenbedingungen für ihre Arbeit.
Sie kritisierten unter anderem dabei die Abschaffung der Neupatientenregelung, die finanzielle Anreize gab, neue Patienten aufzunehmen. Außerdem forderten die Mediziner einen Inflationsausgleich ein. Eine bessere Bezahlung sei zudem notwendig, um mehr Nachwuchs im Medizinsektor zu fördern. Weitere Protestaktionen sollen folgen.
„Jeden Tag lehnen wir in den Praxen die Aufnahme neuer Patientinnen und Patienten ab, selbst die Versorgung Neugeborener ist vielerorts unmöglich“, sagte Ralf Moebus, Landesvorsitzender der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Hessen.
„Die Gesundheitspolitiker aller Parteien verspielen mit ihrem engstirnigen Blick auf die Kliniken gerade die Zukunft der medizinischen Versorgung in Deutschland“, bemängelte Christian Sommerbrodt, Vorstandsmitglied des Hessischen Hausärzeverbands. Der Hausarzt aus Wiesbaden erinnert daran, dass mehr als 97 Prozent aller Behandlungsfälle – das sind rund 600 Millionen – im ambulanten Sektor erbracht werden.
„In Zukunft werden in den Notaufnahmen der Krankenhäuser auch diejenigen sitzen, die keinen Hausarzt mehr bekommen, weil sich keiner mehr niederlässt, und diejenigen, die keine Termine bei Fachärzten mehr bekommen, weil auch hier der Nachwuchs wegbricht. Der Ärztemangel und der Mangel an Fachkräften wird in den nächsten Jahren das Gesundheitssystem in nie da gewesener Härte treffen“, warnte Sommerbrodt.
Auf den Fachkräftemangel wies Ingrid Gerlach, Bundesvorsitzende des Verbands der medizinischen Fachberufe (VMF), hin. „In den Praxen fehlen immer mehr Medizinische Fachangestellte“. Dabei leisteten sie einen entscheidenden Beitrag.
Lothar Born, Kardiologe aus Marburg und Vorsitzender des Hartmannbund-Landesverband Hessen, kritisierte unter anderem die Streichung der Neupatientenregelung. „Der Absicht des Gesetzgebers folgend haben viele Fachärzte ihre Neupatientenkontakte zum Beispiel durch längere Sprechstundenzeiten ausgeweitet. Jetzt werden diese Leistungen nicht mehr extrabudgetär bezahlt, sondern wieder mit der Gesamtvergütung beglichen“, erklärt Born.
„Für uns Fachärzte bedeutet dies, dass wir ab einer gewissen festgelegten Patientenzahl wieder abgestaffelt werden: Wir bekommen dann nicht mehr 100 Prozent bezahlt, sondern nur noch 60 bis 70 Prozent“, ergänzt Jan Henniger, Vorsitzender des Berufsverbands der niedergelassenen Chirurgen Deutschland (BNC). Patienten müssten wegen der Leistungskürzungen mit längeren Wartezeiten für Termine rechnen.
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