Politik

Nordrhein-Westfalen will stabilere Lieferketten für Arzneimittel

  • Mittwoch, 22. April 2026
/monropic, stockadobecom
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Düsseldorf – Sichere Lieferketten und kurze Wege zum Produktionsstandort sollten aus Sicht der Landesregierung und der Pharmabranche in Nordrhein-Westfalen eine größere Rolle bei Arzneimittelausschreibungen spielen. Der Preis dürfe nicht mehr das alleinige Kriterium sein, heißt es in einem in Düsseldorf vorgestellten „Chancenpapier“ mit 52 Handlungsempfehlungen. 

Vor allem bei besonders wichtigen Arzneimitteln müssten auch die Lieferfähigkeit in Krisensituationen und damit eigene Sicherheitsinteressen Berücksichtigung finden – etwa durch Produktion in Deutschland. „Das wird zurzeit nicht gemacht“, kritisierte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Das Land könne hier allerdings nicht allein agieren. 

Die unsichere geopolitische Lage habe in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass einige Länder, aus denen viele Medikamente oder Grundstoffe für Arzneien hergekommen seien, nicht mehr als sicher einzustufen seien. Ein Großteil der sogenannten Nachahmerpräparate (Generika) für die Massenversorgung der Menschen würden nicht mehr im EU-Raum produziert. 

Dabei gehe es etwa um Medikamente wie Insulin, Blutdruckmedikamente oder Penicillin, die viele Menschen benötigten, um weiterhin ein gesundes Leben zu führen. „Daraus kann man nur schließen: Wir müssen sehen, dass wir auch Produktionskapazitäten in Europa, in Deutschland und natürlich aus unserer Sicht auch besonders stark in Nordrhein-Westfalen haben, um auch in Krisenfällen die Versorgung unserer Bevölkerung sicherzustellen“, betonte Laumann. 

Zur Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten gehöre auch ein Krisenplan für militärische Notlagen. „Da gibt es nichts in Deutschland“, sagte Laumann. In den nächsten Monaten werde sein Haus einen solchen Plan für NRW erarbeiten.

Das Chancenpapier soll helfen, Produktion, Beschäftigung und Innovationskraft der Pharmabranche in NRW zu sichern. Seit 2015 sei die Zahl der Beschäftigten hier um 64 Prozent auf rund 20.000 Menschen gestiegen, bilanzierte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne). Der Produktionswert liegt bei fast sechs Milliarden Euro und damit 16 Prozent der bundesweiten Pharmaproduktion. Allerdings sei die Branche durch hohe Energiekosten, Lieferengpässe und fehlende Fachkräfte unter Druck.

„Versorgungssicherheit lässt sich nicht ärztlich verordnen, sie muss ermöglicht werden“, mahnte der Landesvorsitzende des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie, Jörg Wolters. Bund, Land und EU müssten die dafür notwendigen Entscheidungen fällen. Der Bund dürfe die wirtschaftliche Grundlage der Unternehmen nicht durch weitere gesetzliche Belastungen schwächen.

dpa

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