Organspende nach Herz-Kreislauf-Tod bei aussichtsloser Prognose gefordert

Berlin – Angesichts des anhaltenden Mangels an Spenderorganen forderten gestern Ärzte des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC) eine breitere Diskussion über die Organspende nach Herz-Kreislauf-Tod auf einer Intensivstation. Nach Beendigung von lebenserhaltenden Maßnahmen bei einer infausten Prognose und entsprechendem Patientenwunsch in einer solchen Situation müsse auch die Spende von Organen erlaubt sein, meinen sie.
Diese Form der Organspende, international als „Donation after Circulatory Death“ (DCD) bezeichnet, ist in einigen europäischen Ländern etabliert, in Deutschland jedoch nicht zulässig. Hierzulande dürfen Verstorbene Organe nur spenden, wenn dies ihrem zuvor dokumentierten oder geäußerten entspricht (Entscheidungsregelung) und der irreversible Hirnfunktionsausfall (IHA, umgangssprachlich Hirntod) eingetreten ist.
Mehr als 8.000 Menschen in Deutschland stünden auf den Wartelisten für eine Organtransplantation, verdeutlichte Volkmar Falk, Herzchirurg und ärztlicher Direktor des DHZC, die Problematik. Gleichzeitig sei die Zahl der verfügbaren Spenderorgane weiterhin gering. Es gelte daher, nach Wegen zu suchen, die Zahl der gespendeten Organe in Deutschland zu erhöhen.
Deutschland sei bezüglich der Organspende im Eurotransplant-Verbund ein „Nehmerland“ und profitiere hauptsächlich von den Organspenden in anderen Ländern, sagte Felix Schönrath. „2025 haben wir in Deutschland 553 gespendete Organe importiert, jedoch nur 320 Organe exportiert“, so der kardiologische Leiter des Herztransplantationsprogramms am DHZC.
Auch er sprach sich dafür aus, dass auch Menschen, die nach einem – ihrem ausdrücklichen Wunsch entsprechenden – Einstellen von lebenserhaltenden Maßnahmen auf einer Intensivstation an einem Herz-Kreislauf-Tod versterben, Organe spenden können. „Viele Länder in Europa ermöglichen das, außer Deutschland“, kritisierte er.
In der Schweiz sei die Zahl der Spenden durch die Organentnahme nach Herz-Kreislauf-Stillstand fast verdoppelt worden, sagte heute Franz Immer, Direktor von Swisstransplant, im Rahmen einer Liveschaltung an die Berliner Charité. „Durch den Auf- und Ausbau der DCD-Programme in der Schweiz haben wir mehr Organspenderinnen und Organspender“, betonte er. Immer mehr Spitäler führten DCD-Programme ein.
Bei der DCD-Organspende habe ein Mensch eine aussichtslose Prognose, die zu einem Therapieabbruch führe, so Immer. Nach dem Stillstand des Herzens und somit der fehlenden Durchblutung des Gehirns versterbe dann der Mensch im Beisein der Angehörigen, die ihn bis zum letzten Atemzug begleiten könnten. „Den permanenten Hirntod setzen wir dann dem irreversiblen Hirntod gleich, da aufgrund des Patientenwillens ja klar ist, dass nicht reanimiert wird“, sagte er.
„Leider ist derzeit in Deutschland die Organspende von Verstorbenen ausschließlich nach dem Nachweis eines irreversiblen Hirnfunktionsausfalls erlaubt“, erläuterte Farid Salih, der als Oberarzt an der Klinik für Neurologie der Charité häufig eine solche Diagnostik vornimmt. Im vergangenen Jahr habe es an der Charité 41 Feststellungen des IHA gegeben, jedoch 191 Fälle einer schweren Hirnschädigung mit anschließendem Herz-Kreislauf-Tod.
„Diese 150 Menschen konnten aufgrund fehlender vollständiger Hirntodkriterien nicht als potenzielle Spenderinnen oder Spender gemeldet werden“, erklärte Salih. Vielfach sei in solchen Fällen jedoch die Therapieeinstellung – Beendigung der künstlichen Beatmung und der künstlichen Kreislaufunterstützung – und die Spende von Organen nach dem Tod gewünscht.
Die Forschenden betonten jedoch auch, dass der Erfolg stark von den organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen abhänge. Internationale Erfahrungen zeigten, dass höhere Organspendezahlen meist mit verbesserten Verfahren zur Spendererkennung, standardisierten Abläufen, Schulungen des Fachpersonals und Öffentlichkeitsarbeit verbunden seien.
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