116117: Mehr als 40 Prozent der Terminangebote werden nicht genutzt

Berlin – Bislang werden die bestehenden Angebote der Terminvermittlung über die 116117 nicht vollständig genutzt. 44 Prozent bleiben einer Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zufolge ungebucht.
Die Auswertung von Daten aus den Terminservicestellen (TSS) der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen im Zeitraum zwischen Oktober 2025 und September 2026 zeigt, dass von rund 3,58 Millionen Terminen, die Arztpraxen den gesetzlich Versicherten über die TSS bereitgestellt haben, nur rund 2,0 Millionen tatsächlich gebucht wurden.
„Die Diskussion über lange Wartezeiten und zusätzliche Termingarantien muss auch berücksichtigen, wie gut die bereits vorhandenen Vermittlungsmöglichkeiten genutzt werden“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried. Die Terminservicestellen biete schon heute einen etablierten Zugang zu Arztterminen, der offenbar noch nicht ausreichend bekannt sei.
Wenn fast jeder zweite angebotene Termin ungebucht bleibe, zeige das, dass bestehende Strukturen besser ausgeschöpft werden sollten, bevor neue, weitergehende Maßnahmen ergriffen werden, so von Stillfried. Zudem bleibe in der öffentlichen Diskussion die sehr kurze mittlere Wartezeit von durchschnittlich knapp acht Tagen auf die von den TSS vermittelten Termine unerwähnt.
Termine abgesagt
Das Zi analysierte auch die Daten zur tatsächlichen Wahrnehmung vereinbarter Termine – demnach wurden 5,7 Prozent der gebuchten Termine von den Patienten abgesagt. Weitere 2,1 Prozent wurden ohne vorherige Absage nicht wahrgenommen (sogenannte No-Shows). Laut Zi liegt die tatsächliche No-Show-Quote vermutlich höher, da von den Praxen nicht alle ausgefallenen Termine systematisch in der Terminsoftware dokumentiert werden.
„Jeder Termin, der ohne Absage nicht wahrgenommen wird, fehlt möglicherweise einem anderen Patienten“, sagte von Stillfried. Das politische Ziel eines schnelleren Zugangs zur fachärztlichen Versorgung könne angesichts begrenzter personeller und zeitlicher Ressourcen nur erreicht werden, wenn vorhandene Behandlungskapazitäten möglichst effizient genutzt würden. Dazu gehöre auch eine größere Verbindlichkeit bei der Terminbuchung.
Aus Sicht des Zi-Chefs erhalten die Ergebnisse durch den im Entwurf des Gesetzes für die Digitalisierung im Gesundheitswesen (GeDIG) vorgesehenen digitalen Versorgungseinstieg sowie die im Rahmen der Notfallreform beschlossene Terminmeldepflicht für Praxen zusätzliche Bedeutung.
Während im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz erst kürzlich die Finanzierung einer schnellen Terminvergabe ersatzlos gestrichen wurde, soll mit den aktuellen Gesetzesinitiativen die zentrale Terminvermittlung gestärkt werden, um schnellere Facharzttermine zu ermöglichen.
„Leider wird dabei stärker auf zusätzliche Verpflichtungen für Praxen gesetzt, statt diese gezielt zu unterstützen“, kritisierte von Stillfried. Schon jetzt würden selbstständige Praxisinhaber die bestehenden bürokratischen Anforderungen vielfach als erdrückend empfinden – weitere Belastungen könnten die selbstständige Niederlassung unattraktiver machen und den Trend zur ärztlichen Anstellung verstärken.
„Da angestellte Ärztinnen und Ärzte im Vergleich zu Selbstständigen tendenziell kürzere Arbeitszeiten aufweisen und weniger Patientinnen und Patienten pro Arbeitsstunde behandeln, könnte dies das Terminangebot für gesetzlich Versicherte eher reduzieren als erweitern“, so der Zi-Chef.
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