Ärzte rufen nach mehr Schutz der Bevölkerung vor der Klimakrise

Berlin – Organisationen aus Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen haben die Politik aufgefordert, im Bundesklimaanpassungsgesetz (KAnG) die Bereiche Gesundheit, Pflege und Soziales stärker zu berücksichtigen.
„Der Klimawandel hat gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen“, warnte Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK). Beispiele dafür seien Hitzewellen, die besonders für ältere Menschen und vulnerable Gruppen lebensbedrohlich sein könnten, steigende Opferzahlen durch Extremwetterereignisse und eine zunehmende Ausbreitung von Infektionskrankheiten.
„Unsere Gesundheits-, Sozial- und Pflegeeinrichtungen sind auf diese Herausforderungen nur unzureichend vorbereitet. Wir brauchen daher dringend ein Klimaanpassungsgesetz, das diesen Namen auch verdient“, so der BÄK-Präsident.
Als die „größte Gesundheitsbedrohung unserer Zeit“ bezeichnet Martin Herrmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (Klug), den Klimawandel. „Der Fokus eines Klimaanpassungsgesetzes muss deshalb besonders in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Soziales liegen, um die Menschen in Deutschland umfassend zu schützen“, forderte er.
Den Verbänden zufolge sollte das Gesetz unter anderem die zentrale Bedeutung eines krisenresilienten und reaktionsfähigen Gesundheits- und Pflegesektors für die Klimaanpassung stärker hervorheben, die Klimaresilienz der Einrichtungen und Dienste der freien Wohlfahrtspflege stärken, einen klaren gesetzlichen Rahmen für gesundheitlichen Hitzeschutz und Hitzeresilienz schaffen sowie eine niedrigschwellig zugängliche Finanzierung für Klimaanpassungsmaßnahmen ermöglichen.
„Wir müssen langfristig denken und die für eine Klimaanpassung relevanten Kosten in unsere Finanzierungssysteme des Sozial- und Gesundheitswesens integrieren“, sagte Franz Knieps, Vorstandsvorsitzender des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen.
Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, forderte ein rasches Handeln: „Von entscheidender Bedeutung ist es, den Klimawandel einzudämmen und seine künftigen Auswirkungen zu begrenzen“, sagte sie.
Die Bundesregierung hatte den Entwurf des KAnG im Juli beschlossen. Hintergrund ist, dass ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur gegenüber dem vorindustriellen Niveau nicht mehr vollständig zu verhindern sei. Das Gesetz soll daher die Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft gegenüber den bereits eingetretenen und künftig zunehmenden Klimaveränderungen in Deutschland stärken.
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