Kommende „ePA für alle“ sorgt für Bedenken

Hannover – Die Aufholjagd bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens darf nicht zulasten der Qualität gehen. Dies betonte Nicole Löhr, Vorständin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Niedersachsen, am Samstag im Rahmen eines Digitalkongresses der KV in Hannover.
Bislang habe es bei jeder Einführung einer neuen Anwendung der Telematikinfrastruktur (TI) Probleme in den Praxen gegeben, so Löhr.
Aktuell bereite ihr mit Blick auf die geplante „ePA für alle“ (ePA, elektronische Patientenakte) ab Jahresbeginn Sorgen, dass man vor Ende November keine Klarheit darüber habe, wie die jeweiligen Lösungen in den Praxisverwaltungssystemen (PVS) konkret aussäen. Vorher seien somit keine Schulungs- und Unterstützungsleistungen der KVen möglich.
Susanne Ozegowski, Leiterin der Abteilung Digitalisierung und Innovation im Bundesgesundheitsministerium (BMG), sicherte zu, „bis Ende des Jahres“ werde die Gematik PVS-spezifische Informationen bereitstellen – starten soll die neue ePA am 15. Januar 2025.
Ozegowski betonte zudem ausdrücklich, dass die vorgelagerte vierwöchige Testphase verlängert werde, falls „schwerwiegender Fehler“ beim Testen auftreten. Man arbeite aber seitens des BMG und der Gematik mit „erheblichen Ressourcen“ am Gelingen der Einführung. Ozegowski warb um entsprechendes Vertrauen und bezeichnete die ePA als die bislang am besten vorbereitete TI-Anwendung.
Zuvor hatte unter anderem Sibylle Steiner, Vorständin der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), eine nur vierwöchige Testphase angesichts der Größe des Projektes als „wenig sinnvoll“ kritisiert. Ähnlich äußerten sich Kristina Spöhrer, Beisitzerin im Vorstand des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, sowie Hannelore König, Präsidentin des Verbands medizinische Fachberufe (VMF).
Spöhrer gab zu bedenken, dass die ePA-Einführungsphase mitten in die Infektzeit und damit einer Zeit „maximaler Belastung“ falle. Zudem sei die Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger – nicht zuletzt aufgrund der Kommunikation der Politik und der Kassen – höher, als das, was die ePA zu Beginn leisten werde.
Man werde seitens des KV-Systems sehr darauf achten, dass die ePA Mehrwerte in der Versorgung bei hoher Nutzerfreundlichkeit bietet, betonte Steiner. Ein „Ungleichgewicht aus Aufwand und Nutzen“ dürfe es nicht geben.
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