Ärzteschaft

Psychotherapeutentag mahnt massive Anstrengungen beim Klimaschutz an

  • Montag, 21. November 2022
/sawitreelyaon, stock.adobe.com
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Berlin – „Extreme Wetterereignisse, Überflutungen, Hitzewellen und Trockenheit gefährden die körperliche und psychische Gesundheit“. Das hat Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), beim 41. Deutscher Psychotherapeutentag betont. Massive klimapolitische Anstrengungen, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, forderten die Delegierten in einer Resolution.

„Wir haben in Deutschland die Ahr-Flutkatastrophe erlebt. Traumatische Erlebnisse wie das unmittelbare Mit­erleben von Leid und Tod von Angehörigen und Nachbarn, die Zerstörung der eigenen Wohnung sowie das Er­leben von Hilflosigkeit und Überforderung angesichts der Katastrophe können zu langfristigen psychischen Er­krankungen führen“, betonte Munz. Ängste, Depressionen, traumatische Verletzungen und Drogenmiss­brauch könnten die Folge sein.

Weitere Folgen der Klimakrise seien die Verschärfung sozialer Ungleichheit durch die stärkere Betroffenheit vulnerabler Gruppen und die Zunahme gesellschaftlicher Verwerfungen. Noch viel schwerere klimabedingte Naturkatastrophen bahnten sich an.

„Weltweit verlieren schon jetzt Millionen Menschen ihre Heimat und müssen flüchten, weil ihre Lebensgrund­lagen durch den Klimawandel zerstört werden. Der Kampf um knappe Ressourcen kann international in Krie­gen münden“, erklärte der BPtK-Präsident.

„Schwer zu lösende, globale Krisen können potenziell existenzielle Krisen seien. Wichtig ist zu verhindern, dass Menschen in eine ohnmächtige Tatenlosigkeit verfallen“, sagte Gerhard Reese, Professor für Umwelt­psycho­logie an der Universität Koblenz-Landau, auf dem 41. Deutschen Psychotherapeutentag.

Vielmehr müsse ein angepasster und ausbalancierter Umgang mit der Klimakrise und damit einhergehenden Gefühlen gefunden werden. Den Menschen müsse auf Augenhöhe begegnet und konstruktive Strategien ent­wickelt werden, um individuelle Ohnmacht zu überwinden.

Der Umweltpsychologe wies darauf hin, dass auch „individuelles Handeln zählt“, um dem Klimawandel entge­genzuwirken und der Ohnmacht entgegenzuwirken. Der Verzicht auf Flugreisen, kein Fleischkonsum, fair statt konventionell konsumieren und generell weniger konsumieren, sind Reese zufolge beispielhafte Beiträge, die jeder Einzelne zum Schutz der Umwelt leisten könne. Die Zugehörigkeit zu Communities, die sich im Umwelt­schutz engagieren, sei für individuelles nachhaltiges Handeln sehr motivierend.

„Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten haben die berufsethische Verpflichtung, die psychische Ge­sundheit der Menschen zu erhalten und zu fördern, sagte BPtK-Präsident Munz. Psychotherapeutische Bera­tung und Behandlung könne dazu beitragen, psychische Gefährdungen und Belastungen aufzufangen. Psycho­therapeuten könnten die psychische Widerstandsfähigkeit stärken und helfen, Erlebnissen der Überforderung, Ohnmacht und Lähmung zu begegnen.

In einer Resolution forderten die Delegierten des 41. Deutschen Psychotherapeu­tentages, effektiven Klima­schutz zügig unter Berücksichtigung von sozialer Gerechtigkeit umzusetzen. Sie wollen notwendige Verände­rungen unterstützen und sich mit ihrem Sachverstand an deren Umsetzung beteiligen. Sie wollen sich für die Erhaltung und Förderung der ökologischen und soziokulturellen Lebensgrundlagen einsetzen, die es ermögli­chen, gesund aufzuwachsen und zu leben.

PB

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