Ärzteschaft

Stimmung in Praxen auf historischem Tiefpunkt

  • Montag, 11. September 2023
/picture alliance, Sina Schuldt
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Berlin – Die Stimmung unter den 185.000 in Deutschland niedergelassenen Haus- und Fachärzten sowie Psy­cho­therapeuten ist auf einem historischen Tiefpunkt. Das zeigt eine Erhebung des Zentralinstituts für die kas­senärztliche Versorgung (Zi) im Rahmen des Zi-Praxis-Panels (ZiPP). 3.401 Praxisinhaber haben sich daran be­teiligt.

Waren im Jahr 2019 30 Prozent der Befragten mit ihrer Situation in der Niederlassung unzufrieden, stieg dieser Wert in den beiden Folgejahren auf 41 (2020) beziehungsweise 45 Prozent (2021) an. Anfang 2023 schätzten 55 Prozent der Niedergelassenen ihre berufliche Situation als schlecht oder sehr schlecht ein.

„Das ist ein mehr als deutliches Warnzeichen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried. Kosten­sprünge und Bürokratielast zehrten die Praxen aus. Mangeln­de Wertschätzung durch die Politik und handfeste wirtschaftliche Nachteile demotivierten zunehmend.

Die Einschätzung der Lage variiert der Befragung zufolge mit dem Fachgebiet: So schätzten die Praxisinhaber in den Fachgebieten Psychotherapie sowie Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ihre Lage vergleichs­weise positiv ein. Von ihnen beschrieben nur 37 beziehungsweise 45 Prozent ihre Situation in der Niederlassung als schlecht oder sehr schlecht.

Im Gegensatz dazu kamen jeweils über 70 Prozent der Inhaber gynäkologischer und orthopädischer Praxen zu einer negativen Bewertung. Im größten Bereich der hausärztlichen Allgemeinmedizin und Inneren Medizin wurde die Lage von 60 Prozent der Niedergelassenen als schlecht bis sehr schlecht bewertet.

„Schon jetzt sind bundesweit fast 6.000 Arztsitze unbesetzt, weil die Niederlassung im Vergleich zu anderen Möglichkeiten der ärztlichen Berufstätigkeit an Attraktivität eingebüßt hat“, kritisierte von Stillfried. Ein wich­tiger Grund dafür sei die Unterfinanzierung. Im Augenblick besteht laut Zi in der ambulanten Versorgung eine Finanzierungslücke von 1,8 Milliarden Euro.

Gleichzeitig würden die Praxen weiter abgehängt: Während die Krankenkassen für ärztliche und psychothera­peutische Behandlungen im 1. Quartal 2023 1,6 Prozent mehr ausgegeben haben, schnellten die Ausgaben für Krankenhäuser laut dem Institut um 7,7 Prozent nach oben.

„In der Sorge um eine Existenzsicherung der Kliniken wird leider immer wieder übersehen, dass die Praxen das Fundament der medizinischen Versorgung in Deutschland sind. Sie behandeln weit mehr als das Zwölffache dessen, was Krankenhäuser ambulant leisten“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende.

hil

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