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Reform des Medizinstudiums: Bundesweite Aktionswoche gestartet

  • Montag, 26. Oktober 2026
/manit, stock.adobe.com
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Berlin – Unter dem Motto „SOS – Stillstand oder Spitzenmedizin?“ ist heute die bundesweite Aktionswoche der Medizinstudierenden gestartet. An allen Medizinischen Fakultäten in Deutschland setzt die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) als demokratisch legitimierte Interessenvertretung der 120.000 Medizinstudierenden in Deutschland damit ihre gleichnamige Kampagne fort.

Bei den bundesweiten Demonstrationen, die vor allem übermorgen stattfinden sollen, fordern Medizinstudierende gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten sowie weiteren Unterstützenden faire Ausbildungsbedingungen im Praktischen Jahr (PJ) und eine grundlegende Reform der Ärztlichen Approbationsordnung.

„Während die Politik jahrelang nur den Stillstand verwaltet hat, hängt das Medizinstudium den Anforderungen eines modernen Gesundheitssystems mit Spitzenmedizinerinnen und -medizinern immer weiter hinterher“, sagte Clara Mosecker, bvmd-Beauftragte für die Koordination der Kampagne SOS-Medizinstudium, dem Deutschen Ärzteblatt. „Wir brauchen jetzt die lange angekündigte Reform des Medizinstudiums mit einer zeitgemäßen Lehre ab der Vorklinik und einem Praktischen Jahr, das uns nicht an unsere finanziellen und psychischen Grenzen treibt.“

Nach Angaben der bvmd fehlen vielerorts verbindliche Ausbildungsstandards im Praktischen Jahr sowie eine Verknüpfung theoretischer und praktischer Kompetenzen von Vorklinik und Klinik. Statt ärztliches Handeln zu erlernen, würden Studierende fest für Blutentnahmen, Stationsarbeit oder OP-Assistenz eingeplant.

Dabei verbrächten sie vielerorts 40 bis 60 Stunden pro Woche in Kliniken und Praxen, teilweise ohne jegliche Aufwandsentschädigung. „Wir fordern eine bundesweit einheitliche Mindestaufwandsentschädigung auf BAföG-Niveau“, betonte Aljoscha Lorentz, Vizepräsident für Externes der bvmd. „Darum mobilisieren wir noch einmal deutschlandweit und gehen auf die Straße.“

Zu einem fairen PJ gehört nach Ansicht der bvmd zudem nicht nur mehr als Geld. Gefordert werden verbindliche Lehre, verlässliches Mentoring, strukturierte Feedbackgespräche, ausreichend Selbststudienzeit und faire Prüfungsbedingungen.

Zudem brauche es generell endlich eine neue Approbationsordnung. „Bleibt eine Reform des Medizinstudiums aus, versumpfen sowohl die Didaktik in den Methoden des letzten Jahrtausends als auch geplante Reformen wie ein Primärversorgungssystem“, sagte Paula Szumotalski, Bundeskoordinatorin für medizinische Ausbildung.

Die Forderung nach einer Novellierung der Approbationsordnung ist auch Inhalt einer gleichnamigen Petition, die Stand heute bereits etwa 12.000 Unterstützende hat. Erstunterzeichnende sind die Bundesärztekammer (BÄK), der Marburger Bund, der Hartmannbund, das Bündnis Junge Ärztinnen und Ärzte, der Hausärzteverband (HÄV) sowie Verdi.

Dass studentischer Protest Wirkung zeigen kann, hat sich zuletzt am 16. Oktober gezeigt. Der Bundesrat führte erstmals die Genehmigung von zehn Krankheitstagen während des PJ ein, die ab November gilt. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete.

Zudem forderte er die Bundesregierung auf, eine bundesweit einheitliche Aufwandsentschädigung in Höhe des BAföG-Höchstsatzes zu prüfen. Dafür hatte die bvmd bereits 2019 und 2023 jeweils 100.000 Unterschriften gesammelt.

„Für uns sind die Beschlüsse wichtige Erfolge, doch die grundlegenden Probleme der medizinischen Ausbildung bleiben ungelöst“, betonte Lotti Holste, Präsidentin der bvmd. „Diese ersten Schritte ermutigen uns aber, dass der große Sprung für das Medizinstudium weiterhin möglich ist.“ 

ER

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