Sechs Strategien für mehr HPV-Impfungen in Deutschland

Bonn/Heidelberg – Die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) ist ein hochwirksames Instrument zur Krebsprävention. Aber in Deutschland nehmen zu wenige junge Menschen die Impfung wahr.
Im neuen „HPV-Atlas Deutschland 2026“ empfehlen das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Krebshilfe daher sechs Strategien für mehr Impfungen. Außerdem geben sie in dem Atlas einen Überblick über die Impfung und zu HPV-bedingten Krebserkrankungen und ihrer Prävention.
HPV gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Erregern. Fast alle sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit den Viren. Meist heilt die Infektion folgenlos aus.
Bleibt sie mit bestimmten Hochrisiko-HPV-Typen jedoch über längere Zeit bestehen, kann daraus Krebs entstehen. HPV verursachen nicht nur Gebärmutterhalskrebs, sondern auch Mundrachen-, Anal-, Penis-, Vulva- und Vaginalkrebs.
Für das Jahr 2021 schätzt das Robert-Koch-Institut 11.000 HPV-bedingte Krebsneuerkrankungen in Deutschland – rund 7.600 bei Frauen und 3.000 bei Männern. Bei Frauen ist Gebärmutterhalskrebs die häufigste HPV-bedingte Krebsart, bei Männern mit rund 1.900 Fällen eine Krebserkrankung im Oropharynx.
„HPV-bedingter Krebs gehört zu den Erkrankungen, bei denen wir durch Prävention besonders viel erreichen können“, sagte Nobila Ouédraogo von der Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ. Entscheidend sei jetzt, vorhandenes Wissen in wirksame Präventionsstrukturen zu übersetzen, betonte er.
Die wissenschaftliche Evidenz für die HPV-Impfung ist nach Angaben des DKFZ und der Krebshilfe umfassend: Studien mit inzwischen mehr als 15 Jahren Nachbeobachtungszeit zeigten, dass HPV-Infektionen, Krebsvorstufen und Gebärmutterhalskrebs bei Geimpften deutlich zurückgehen.
Aber 2024 waren lediglich 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 36 Prozent der gleichaltrigen Jungen vollständig gegen HPV geimpft. Zudem unterscheiden sich die Impfquoten regional erheblich – teilweise um mehr als 20 Prozent.
Deutschland gehört zu den Ländern mit niedrigen HPV-Impfquoten und liegt deutlich unter dem Durchschnitt der Europäischen Union. Portugal erreicht zum Beispiel bei 15-jährigen Mädchen wie Jungen Impfquoten von mehr als 90 Prozent.
Die im Atlas vorgeschlagenen Strategien umfassen eine bundesweite evidenzbasierte HPV-Kommunikationsstrategie und ein digitales Einladungs- und Erinnerungssystem.
Die HPV-Impfung sollte systematisch mit den Vorsorgeuntersuchungen U10, U11 und J1 verknüpft und durch niedrigschwellige Angebote – etwa freiwillige schulische Impfprogramme und mobile Impfteams – leichter zugänglich werden.
Darüber hinaus empfehlen die Autoren eine politisch verbindliche nationale HPV-Präventionsstrategie sowie ein bundesweites digitales Impfregister mit elektronischem Impfpass.
„Erfolgreiche Impfprogramme kombinieren unter anderem schulbasierte Angebote, systematische Einladungs- und Erinnerungssysteme sowie eine zuverlässige digitale Erfassung. Gerade bei diesen Strukturen weist Deutschland Verbesserungspotenzial auf“, hieß es aus DKFZ und Deutscher Krebshilfe.
Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen
Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.
Jetzt bei Google bevorzugenDiskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: