Tests für Reiserückkehrer: Bei Vergütung nachgebessert, alle Ärzte sollen helfen

Berlin – Urlauber können sich von morgen an bei der Rückkehr nach Deutschland kostenfrei auf SARS-CoV-2 testen lassen. In Bezug auf die beteiligten Ärzte und die Vergütung hat es noch kurzfristige Änderungen gegeben, wie die Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigt, die morgen in Kraft tritt.
Hieß es in einer Vorabfassung der Verordnung gestern noch, dass alle an der hausärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte Abstriche machen sollen, sieht die neue Verordnung vor, dass die Leistungen „durch niedergelassene Ärzte und durch die von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) betriebenen Testzentren“ erbracht werden sollen. Tests sind auch beim Gesundheitsamt sowie an Teststationen an Flughäfen und Bahnhöfen möglich.
Bei der Vergütung für die Tests, die innerhalb von 72 Stunden nach der Rückkehr erfolgen sollen, hat das Ministerium leicht nachgebessert. Gestern waren noch pauschal zehn Euro für die „Entnahme von Körpermaterial“ angedacht. Heute heißt es in der Verordnung, dass es stattdessen 15 Euro geben soll. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hält 25 Euro für kostendeckend. Die Laborkosten bleiben unverändert.
Die Kosten für die Tests trägt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Das Ministerium rechnet mit Mehrkosten von 50,5 Millionen Euro je einer Million Tests durch Laborleistungen und 15 Millionen Euro durch die pauschale Vergütung für die Vertragsärzte. Das Gesundheitsministerium hatte aber bereits signalisiert, dass der Bund die Finanzierung am Ende über einen erhöhten Zuschuss an die GKV übernehmen will.
Testung nun auch für Rehabilitationseinrichtung
Mit der Verordnung werden ab morgen auch Personengruppen umfasst, die bisher nicht erfasst wurden. Das galt etwa für Patienten vor einem Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung.
Auch dort müssten „vulnerable Personengruppen durch präventive Testungen vor einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besser geschützt werden“, schreibt das Ministerium in der Verordnung.
„Die steigenden Infektionszahlen in Deutschland sind ein deutliches Warnsignal“, sagte Spahn heute. Das Virus mache keine Ferien. Deshalb gelte: Wer von einer Reise zurückkomme, solle sich testen lassen – freiwillig und kostenlos.
Spahn kündigte heute erneut an, dass sich Rückkehrer aus Risikogebieten in Kürze auf Aufforderung bei Einreise verpflichtend testen lassen müssen. Dazu ist eine Anordnung vorgesehen, die laut Ministerium derzeit in der Abstimmung mit den Ländern ist und die voraussichtlich im Verlauf der nächsten Woche in Kraft treten soll.
Mehr noch als auf staatliche Anordnungen komme es aber weiterhin auf jeden Einzelnen an. „Je besser wir im Alltag aufeinander achten, desto besser kommen wir gemeinsam durch diese Pandemie“, sagte Spahn.
Kritik kam heute vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). „Die Testung von medizinischem Personal in ambulanten Arztpraxen, die mit einer Vielzahl von chronischen Kranken und alten Menschen intensiv in Berührung kommen, ist nicht vorgesehen“, monierte der KVN-Vorstandsvorsitzende Mark Barjenbruch.
Gleiches gelte für die Risikogruppen selbst. „Bevor Reisende massenhaft getestet werden, sollte das Praxispersonal, das sich täglich für die Gesundheit der Bevölkerung einsetzt, eher einen kostenfreien Test angeboten bekommen“, sagte er. Wer in ein Risikogebiet reise, müsse wissen, was er da tue, und sich über die Konsequenzen bewusst sein – auch über die Bezahlung der Testungen aus eigener Tasche.
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