Politik

Tests für Reiserückkehrer: Bei Vergütung nachgebessert, alle Ärzte sollen helfen

  • Freitag, 31. Juli 2020
/picture alliance, Marijan Murat
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Berlin – Urlauber können sich von morgen an bei der Rückkehr nach Deutsch­land kosten­frei auf SARS-CoV-2 testen lassen. In Bezug auf die beteiligten Ärzte und die Vergütung hat es noch kurzfristige Änderungen gegeben, wie die Verord­nung von Bundesgesund­heits­­minister Jens Spahn (CDU) zeigt, die morgen in Kraft tritt.

Hieß es in einer Vorabfassung der Verordnung gestern noch, dass alle an der hausärztli­chen Versorgung teilnehmenden Ärzte Abstriche machen sollen, sieht die neue Verord­nung vor, dass die Leistungen „durch niedergelassene Ärzte und durch die von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) betriebe­nen Testzentren“ erbracht werden sollen. Tests sind auch beim Gesundheitsamt sowie an Teststationen an Flughäfen und Bahn­höfen möglich.

Bei der Vergütung für die Tests, die innerhalb von 72 Stunden nach der Rückkehr erfolgen sollen, hat das Ministerium leicht nachgebessert. Gestern waren noch pauschal zehn Euro für die „Entnahme von Körpermaterial“ angedacht. Heute heißt es in der Verordnung, dass es stattdessen 15 Euro geben soll. Die Kassenärztliche Bun­des­vereinigung hält 25 Euro für kostendeckend. Die Laborkosten bleiben unverändert.

Die Kosten für die Tests trägt die gesetzliche Krankenver­si­cherung (GKV). Das Ministerium rechnet mit Mehrkosten von 50,5 Millionen Euro je einer Million Tests durch Laborleis­tungen und 15 Millionen Euro durch die pauschale Vergütung für die Vertragsärzte. Das Gesundheitsministerium hatte aber be­reits signalisiert, dass der Bund die Finanzierung am Ende über einen erhöhten Zuschuss an die GKV übernehmen will.

Testung nun auch für Rehabilitationseinrichtung

Mit der Verordnung werden ab morgen auch Personengruppen umfasst, die bisher nicht erfasst wur­den. Das galt etwa für Patienten vor einem Aufenthalt in einer Rehabilitations­ein­richtung.

Auch dort müssten „vulnerable Personengruppen durch präventive Testungen vor einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besser geschützt werden“, schreibt das Minis­terium in der Verordnung.

„Die steigenden Infektionszahlen in Deutschland sind ein deutliches Warnsignal“, sagte Spahn heute. Das Virus mache keine Ferien. Deshalb gelte: Wer von einer Reise zurück­komme, solle sich testen lassen – freiwillig und kostenlos.

Spahn kündigte heute erneut an, dass sich Rückkehrer aus Risikogebieten in Kürze auf Auffor­derung bei Einreise ver­pflichtend testen lassen müssen. Dazu ist eine Anordnung vorge­sehen, die laut Ministerium derzeit in der Abstimmung mit den Ländern ist und die vo­raussichtlich im Verlauf der nächsten Woche in Kraft treten soll.

Mehr noch als auf staatliche An­ordnungen komme es aber weiterhin auf jeden Einzelnen an. „Je besser wir im Alltag aufeinander achten, desto besser kommen wir gemeinsam durch diese Pandemie“, sagte Spahn.

Kritik kam heute vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). „Die Testung von medizinischem Personal in ambulanten Arztpraxen, die mit einer Viel­zahl von chronischen Kranken und alten Menschen intensiv in Berührung kommen, ist nicht vorgesehen“, monierte der KVN-Vorstandsvorsitzende Mark Barjenbruch.

Gleiches gelte für die Risikogruppen selbst. „Bevor Reisende massenhaft getestet werden, sollte das Praxispersonal, das sich täglich für die Gesundheit der Bevölkerung einsetzt, eher einen kostenfreien Test angeboten bekommen“, sagte er. Wer in ein Risikogebiet rei­se, müsse wissen, was er da tue, und sich über die Konsequenzen bewusst sein – auch über die Bezahlung der Testungen aus eigener Tasche.

may/dpa

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