Vermischtes

Übernahme vertagt: Finanzinvestoren senken Hürde für Stada-Kauf

  • Donnerstag, 8. Juni 2017
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Bad Vilbel – Kurz vor dem Auslaufen der entscheidenden Frist müssen die Beteili­gungs­gesellschaften Bain und Cinven alle Register ziehen, um die Milliarden-Über­nahme von Stada zu retten. Sie räumen den Aktionären des hessischen Arzneimittel­herstellers mehr Zeit für die Annahme ihrer Milliarden-Offerte ein und geben sich zugleich mit einer niedrigeren Zustimmung zufrieden, wie die beiden Beteiligungs­gesellschaften gestern mitteilten.

So müssen sich die Stada-Aktionäre nun bis zum 22. Juni entscheiden und nicht mehr bis zu diesem Donnerstag, wie zunächst vorgesehen. Zudem fordern Bain und Cinven nicht mehr die Zustimmung von 75 Prozent der Anteilseigner, sondern geben sich mit 67,5 Prozent zufrieden, wie aus den veränderten Angebotsunterlagen hervorgeht. „Bain und Cinven sind zuversichtlich, dass dieser Schritt die Transaktionssicherheit für ihr attraktives Angebot erhöht“, hieß es. An der Börse kam die Nachricht gut an, Stada-Aktien stiegen im späten Handel um gut zwei Prozent auf 65 Euro.

Um sich nachträglich eine Tür für mehr Rückendeckung der Aktionäre offen zu halten, bieten die Investoren ferner eine zweite Frist an. Sofern am 22. Juni um Mitternacht die neue Quote erreicht sei, hätten Aktionäre noch Zeit bis zum 11. Juli, um Bain und Cinven ihre Anteile anzudienen. Anteilseigner, die das Übernahmeangebot bereits angenommen haben, bräuchten nichts Weiteres zu tun. Zugleich wiesen Bain und Cinven darauf hin, dass es rechtlich unmöglich sei, die Annahmeschwelle erneut zu senken. Würde die Marke von 67,50 Euro bis zum 22. Juni verfehlt, scheitere die Offerte.

Probleme, die Stada-Aktionäre von dem 5,3 Milliarden Euro schweren Übernahme­angebot zu überzeugen, hatten sich schon abgezeichnet. Am Mittag – einen Tag vor dem Ende der ursprünglichen Annahmefrist – hatten erst 21,5 Prozent der Anteils­eigner der Offerte von Bain und Cinven zugestimmt.

Als große Hürde gilt der hohe Anteil von Privatanlegern, die 29 Prozent der Stada-Aktien besitzen, darunter viele traditionsbewusste Ärzte und Apotheker. Zudem halten Indexfonds 14 Prozent der Anteile und dürfen diese wegen der Zugehörigkeit des Konzerns zum MDax aus technischen Gründen nicht andienen. Vorstand und Aufsichts­rat von Stada empfahlen den Aktionären erneut, das Übernahmeangebot anzunehmen. Es sei im besten Sinne des Unternehmens und spiegle den finanziellen Wert wider, erklärten sie.

Bain und Cinven wollen bei dem Hersteller von Generika und rezept­freien Markenprodukten wie Grippostad die internationale Expansion vorantreiben und den Konzern ausbauen. Um den letzten unabhängigen Produzenten von Nachahmer-Medikamenten in Deutschland mit mehr als 10.800 Mitarbeitern hatte es zuvor ein zähes Ringen gegeben, in dem sich Bain und Cinven gegen andere Beteiligungsfirmen durchgesetzt hatten. Finanzinvestoren kaufen Firmen, um deren Profite zu steigern und sie nach einigen Jahren mit Gewinn weiterzuverkaufen.

dpa

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