Unabhängige Patientenberatung berät weniger Versicherte

Berlin – Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Versicherte beraten als im Jahr zuvor. Das zeigt der aktuelle Monitor-Bericht der UPD für das Jahr 2018. Demnach wandten sich im vergangenen Jahr 128.586 Menschen an die UPD. 2017 waren es noch 154.921.
„Da ist noch Luft nach oben“, erklärte die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke, heute bei der gemeinsamen Vorstellung des Berichts. Sie mahnte weitere Anstrengungen des UPD-Betreibers an, an der Bekanntheit der Patientenberatung zu arbeiten.
Aus ihrer Sicht müssten sich die Patientinnen und Patienten in der medizinischen Versorgung auf Qualität, Sicherheit und Transparenz verlassen können. „Dabei geht es vor allem um Augenhöhe mit den Leistungserbringern, aber auch gute Informationen durch die Krankenkassen“, sagte Schmidtke, die seit Januar 2019 Patientenbeauftragte ist und für die CDU im Gesundheitsausschuss des Bundestages sitzt. Sie ist Herzchirurgin aus Lübeck.
Den deutlichen Rückgang der Beratungsgesprächen um 17 Prozent erklärte UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede zum einen damit, dass die Fragen zum Krankengeld zurückgegangen sind. Zusätzlich sei bei der Einführung der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) den Ratsuchenden am Telefon eine längere Datenschutzerklärung vorgelesen worden, so dass offenbar viele während der Ansage wieder aufgelegt hätten, erklärte Krumwiede auf Nachfrage.
Beratung vornehmlich am Telefon
Generell sei das Telefon weiterhin die wichtiges Kommunikationsform der UPD. 88 Prozent der Beratungen fänden am Telefon statt. Der UPD-Geschäftsführer betonte, dass der UPD keine objektiven Daten über das Gesundheitswesen vorliegen. „Bei uns melden sich die, die sich beschweren wollen.“ Er berichtete, dass die Beratung immer häufiger zu Basisthemen des Gesundheitswesens stattfänden und viele Versicherte die Informationen beispielsweise der Krankenkassen nicht verstünden.
Im Mittelpunkt der UPD-Beratungsgespräche standen daher 2018 auch erneut die Schreiben der Krankenkassen an Versicherte mit vermeintlichen Entscheidungen zu Widersprüchen. Als Beispiele nannte Krumwiede Schreiben der Krankenkassen, die widersprüchlich formuliert hätten, ob ein Antrag auf Heilmittel erfolgreich gewesen sei oder nicht.
Oftmals würden die Versicherte in umständlicher Sprache darüber informiert, dass vermeintlich ein Widerspruch nicht erfolgreich gewesen sei. Dabei sei dies oft zum Zeitpunkt des Schreibens noch gar nicht der Fall und Patienten würden entgegen ihrer Rechte zu einer Rücknahme des Widerspruchs gedrängt, so Krumwiede. Insgesamt entfallen fast zehn Prozent der sozialrechtlichen Beratungen auf die Beratung zu Widersprüchen.
Arzneimittelsicherheit ein wichtiges Thema
Das zweite Thema, das Patienten im Sozialrecht bewegt, ist der Einblick in die eigene Patientenakte. Hier gebe es Unsicherheiten, was eine Kopie pro Seite kosten darf. Derzeit sind dies 50 Cent. Auch Beratungen zum Krankengeld werden weiterhin nachgefragt. Bei der medizinischen Beratung steht die Arzneimittelsicherheit weit oben. Besonders die Verunsicherung durch verunreinigte Arzneimittel sei hoch gewesen.
„Beim Fall Valsatan klingelten fünf Minuten nach den ersten Schlagzeilen dazu bei uns die Telefone“, berichtete Krumwiede. Hauptthemen der medizinischen Beratung waren die Patientensicherheit, die Arzneimittelsicherheit und dabei vor allem die Neben- und Wechselwirkungen. Auch stellten viele Ratsuchende Fragen zu Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL).
Die Patientenbeauftragte betonte, dass der Gesetzgeber in der Vergangenheit immer wieder Anregungen aus dem UPD-Monitor aufgenommen habe. Dazu zählen Regelungen zum Krankengeld im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sowie die Einrichtung von Terminservicestellten im Jahr 2016. Damals gab es besonders viel Kritik am Zugang zum Gesundheitswesen seitens der Ratsuchenden.
Die UPD mit der jetzigen Trägerschaft ist nun 3,5 Jahre für die Beratungen zuständig. Anlässlich dieser Halbzeit des Förderungszeitraumes durch den GKV-Spitzenverband bilanzierte Krumwiede, dass auf die langanhaltende Kritik an der jetzigen UPD mit mehreren Qualitätsoffensiven reagiert wurde, bei denen die Beratungsinhalte verbessert und die Rechtsberatung ausgebaut wurde.
Die Kritik an der UPD beschäftigt auch die Patientenbeauftragte seit Amtsantritt. Sie erklärte heute in Berlin, sie habe mit allen Beteiligten Gespräche geführt und komme zu dem Schluss, dass es „keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass die Neutralität der Beratung infrage gestellt werden kann“.
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