Ärzteschaft

Unfallchirurgen halten Einschnitte in Notaufnahmen wegen Energiekrise für möglich

  • Freitag, 23. September 2022
/studio v-zwoelf, stock.adobe.com
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Leipzig – Die steigenden Energiekosten belasten auch die Krankenhäuser und Arztpraxen. Die Sorgen aus beiden Versorgungsbereichen werden größer. Heute warnten die Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) vor Problemen.

DGU-Präsident Benedikt Friemert, rechnet damit, dass sich dies auch in der Notfallversorgung bemerkbar machen wird. „Es ist vorstellbar, dass sich die Notfallversorgung reduzieren und fokussieren wird.“ Die Notauf­nahmen der Krankenhäuser würden ohnehin seit Jahren von zu vielen Patienten beansprucht. Es sei denkbar, dass man sich künftig auf echte Notfälle konzentriere.

Das Problem der Krankenhäuser seien die festgelegten Preise für ihre medizinischen Leistungen. Darin seien zwar auch Betriebskosten kalkuliert, die enormen Kostensteigerungen bei Strom und Gas seien dort aber bisher überhaupt nicht erfasst.

„Plötzlich geht die Schere auseinander und die Krankenhäuser haben ein finanzielles Problem“, sagte Frie­mert. Wie während der Coronapandemie könnten die Häuser reagieren, indem sie bestimmte Leistungen ein­schränkten. Dass Notaufnahmen komplett schließen, erwartet der Mediziner allerdings nichts. Sie gehörten zur Daseinsvorsorge.

Aus Sicht von Friemert ist es jetzt an der Zeit für Länder, Krankenkassen und Krankenhäuser, sich zusammen­zusetzen. Man müsse gemeinsam nach einer Lösung suchen. Denkbar sei es zum Beispiel, dass die Länder die Energiekosten vorfinanzierten. „Die Politik darf die Krankenhäuser jetzt nicht allein stehen lassen.“

Auch die Vertragsärzte in Brandenburg schlugen heute Alarm. Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg warnte davor, den stationären und den ambulanten Sektor gegeneinander auszuspielen. Die mangel­hafte Finanzierung der Kliniken dürfe nicht auf Kosten der ebenfalls unterfinanzierten ambu­lan­ten Medizin erfolgen, warnte der Chef der KKVBB, Peter Noack.

Im ambulanten und stationären Bereich gebe es mit Personal- und Nachwuchsmangel und enormen Betriebs­kostensteigerungen die gleichen Probleme. Die Finanzierung müsse deshalb in beiden Breichen gesichert sein. Eine moderne und energieintensive Gerätemedizin etwa gehöre heute zur Grundausstattung vieler Praxen und Kliniken, führte Noack an.

Zudem forderte der KVBB-Vorsitzende eine dauerhafte Finanzierung von innovativen Konzepten, damit defizi­täre Krankenhausstandorte nicht geschlossen werden müssen, sondern in bedarfsgerechten ambulantstatio­nären Strukturen als Gesundheitsstandorte erhalten bleiben.

Aus Sicht der Krankenhausgesellschaft werden Kliniken in Brandenburg in Zahlungsschwierigkeiten kommen, wenn der Bund angesichts der Kostensteigerung keine schnelle Nothilfe leistet. In diesem Jahr noch drohten Liquiditätsengpässe bei dem ein oder anderen Krankenhaus, dies werde sich aber vor allem im kommenden Jahr zeigen, hatte der Vorsitzende der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg (LKB), Detlef Troppens, in Potsdam gesagt.

Energiekrise und Inflation, aber auch schwer stemmbare Investitionen gefährdeten die Kliniken. „Kurzfristig brauchen wir einen Inflationsausgleich, damit es nächstes Jahr nicht zur Pleitewelle kommt“, so Troppens. Auch Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sagte, der Bund müsse sehr schnell helfen.

dpa/hil

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