Ärzteschaft

Verbesserungsvorschläge für ein nachhaltiges Gesundheitssystem

  • Mittwoch, 4. November 2026
/tan4ikk, stock.adobe.com
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Berlin – In der kommenden Woche beginnt die UN-Klimakonferenz in Antalya – wichtiges Thema wird die Gesundheitsversorgung in Zeiten des Klimawandels sein. Bereits jetzt äußern sich Ärzteverbände, Krankenkassen und Institute mit Verbesserungsvorschlägen für ein nachhaltiges und zukunftsfestes Gesundheitssystem in Deutschland.

So sieht die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) das geplante hausärztlich geleitete Primärversorgungssystem als Chance, auch die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise besser zu bewältigen. Dies geht aus einem Positionspapier der Gesellschaft hervor, das heute veröffentlicht wurde.

Eine starke Primärversorgung verbessere die Versorgungsqualität und trage gleichzeitig dazu bei, die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise besser zu bewältigen sowie Ressourcenverbrauch und Emissionen zu reduzieren, heißt es von der DEGAM.

Insbesondere Hausärztinnen und Hausärzte könnten klimabedingte Gesundheitsrisiken früh erkennen, besonders gefährdete Patienten gezielt unterstützen und somit aktiv zur Klimaresilienz des Gesundheitswesens beitragen. Die Primärversorgung helfe dabei, unnötige Leistungen zu vermeiden und die Versorgung stärker am tatsächlichen Bedarf auszurichten.

„Durch eine patientenzentrierte und häufig fallabschließende Behandlung tragen Hausärztinnen und Hausärzte schon heute wesentlich zu einem nachhaltigen und ressourcenschonenden Gesundheitssystem bei“, betonte Alina Herrmann, Sprecherin der DEGAM-Sektion Klimawandel und Gesundheitswesen.

Neben dem Ausbau des Primärversorgungssystems fordert die DEGAM in ihrem Papier finanzielle Anreize für klimaresiliente und nachhaltige Versorgungsstrukturen und eine konsequentere Ausrichtung auf eine hochwertige und bedarfsgerechte Versorgung.

Die Gesellschaft will zudem Aspekte der Klimaresilienz und Nachhaltigkeit in der ärztlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung verankert sehen. Nicht zuletzt könne das System auch mit einem Ausbau der Verhältnisprävention mit stärkeren kommunalen Strukturen verbessert werden.

„Eine starke Primärversorgung ist per se kein Klimaschutzprojekt, sondern gute Gesundheitspolitik“, sagte Jörg Schmid, Sprecher der Sektion Klimawandel und Gesundheit bei der DGAM. „Sie verbessert die Versorgung der Menschen, vermeidet unnötige Leistungen und macht unser Gesundheitssystem gleichzeitig widerstandsfähiger.“

Eckpunkte für Nachhaltigkeitsstrategie

Stellvertretend für ein Bündnis von 60 Organisationen hat der BKK Dachverband heute Eckpunkte für eine Nachhaltigkeitsstrategie im deutschen Gesundheitssystem an die Bundestagsabgeordneten Tanja Machalet (SPD), Sascha van Beek (CDU) und Johannes Wagner (Grüne) übergeben.

„Gesundheitsschutz ist Klimaschutz und bildet zugleich die Basis für eine starke, international konkurrenzfähige Wirtschaft“, unterstrich Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes.

Nur ein Gesundheitssystem, das finanzielle und ökologische Ressourcen schone, Krankheiten verhindere, bevor sie entstünden, und angesichts großer Herausforderungen wie der demografischen Alterung und der Klimakrise handlungsfähig bleibe, sei zukunftsfähig.

„Wenn bei den anstehenden Strukturreformen die Nachhaltigkeit jetzt geopfert wird, zahlen wir später einen deutlich höheren Preis – gesundheitlich wie finanziell“, mahnte Klemm. Konkreten Handlungsbedarf sehen die Organisationen in den Bereichen Prävention, ambulante und stationäre Versorgung, Arzneimittel, Medizinprodukte, Transport und Digitalisierung.

Nachhaltigkeit sei keine ökologische Zusatzanforderung, sondern sollte fester Bestandteil der bevorstehenden gesundheitspolitischen Strukturreformen sein, wird im Eckpunktepapier, über das das Deutsche Ärzteblatt bereits berichtet hatte, betont.

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) äußerte sich heute zu klimapolitischen Maßnahmen und ihren Auswirkungen auf die Gesundheit. Sie könnten nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch die psychosoziale Gesundheit fördern und sozialen Nutzen nach sich ziehen, heißt es.

Das RKI veröffentlichte dazu einen Forschungsbeitrag unter Federführung der Universität Freiburg und der Freien Universität Berlin. Die Forschenden kommen zum Schluss, dass weniger Luftverschmutzung, Umweltsteuern und mehr naturnahe Maßnahmen in Städten mit einem höheren Wohlbefinden in Zusammenhang stehen.

Zudem werden die Maßnahmen mit einer besseren psychischen Gesundheit und einem stärkeren sozialen Zusammenhalt assoziiert. Wie deutlich der Effekt ausfällt, hänge dabei auch vom Grad der Verbesserung der Umweltbedingungen und der körperlichen Gesundheit ab.

nfs/EB/afp

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