Weiter Proteste gegen Kürzung bei Psychotherapeuten

München – Die Honorarkürzungen für Psychotherapeuten stehen weiter in der Kritik. In den vergangenen Tagen hatten bundesweit Tausende Menschen gegen den Beschluss des Erweiterte Bewertungsausschuss protestiert. Besorgt zeigte sich am Wochenende die Bayerische Gesundheitsministerin.
„Ich sehe die Entscheidung kritisch, denn es ist zu befürchten, dass sich diese Kürzung negativ auf die Patientenversorgung auswirken könnte“, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU). Es sei klar, dass die Krankenkassen unter hohem finanziellem Druck stünden und vor diesem Hintergrund alle Akteure verantwortungsvoll mit Beitragsgeldern umgehen müssten.
„Grundsätzlich notwendige Einsparbemühungen dürfen psychisch erkrankte Menschen jedoch nicht benachteiligen“, sagte sie. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) sei daher in der Pflicht, die Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung „sehr genau zu beobachten und gegebenenfalls korrigierend einzugreifen“, so Gerlach.
Der Erweiterte Bewertungsausschuss hatte beschlossen, die Honorare zum 1. April um 4,5 Prozent abzusenken. Zugleich werden Zuschläge für die Finanzierung von Personalkosten der Praxen rückwirkend zum 1. Januar um 14,5 Prozent erhöht. In Summe ergebe sich eine Senkung von 2,3 Prozent für dieses Jahr, erläuterte der GKV-Spitzenverband.
Der bayerische Jugendring (BJR) forderte am Wochenende eine Rücknahme der Kürzung. „Wer jetzt kürzt, verschärft eine ohnehin angespannte Versorgungslage“, sagte der BJR-Präsident Philipp Seitz. Die möglichen Folgen – längere Wartezeiten, weniger Therapieangebote oder sogar Praxisschließungen – träfen Kinder und Jugendliche unmittelbar.
Auch die Linke in Bayern läuft Sturm gegen die Kürzungen. „Dass die Krankenkassen jetzt bei der am schlechtesten bezahlten Fachgruppe kürzen wollen, ist ein völlig falsches Signal. Es braucht dringend einen Ausbau der Angebote – Kürzungen werden die Situation nur verschlechtern“, sagte Landesprecher Martin Bauhof.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die auch die Psychotherapeuten vertritt, will juristisch gegen die Honorarkürzung vorgehen. Geplant ist laut KBV-Chef Andreas Gassen eine Klage beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg gegen einen entsprechenden Beschluss des zuständigen Gremiums des Gesundheitswesens, das über Vergütungen entscheidet.
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