Zahl der ehrenamtlichen Helfer beim Roten Kreuz steigt an

Berlin – Die Zahl der Menschen, die sich ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) engagieren, ist im vergangenen Jahr um 11.000 auf 425.800 Helfer angestiegen. Das erklärte die neue Präsidentin des DRK, Gerda Hasselfeldt, heute vor Journalisten in Berlin.
Es sei der höchste Stand seit mehr als 15 Jahren. Diese „sehr erfreuliche Entwicklung“ lasse sich teilweise auf die Flüchtlingskrise in den Jahren 2015 und 2016 zurückführen. Denn viele Menschen, die damals begonnen hätten, sich ehrenamtlich zu engagieren, gehörten mittlerweile zu den festen ehrenamtlichen Helfern des DRK.
Ehrenamt muss gefördert werden
In diesem Zusammenhang betonte Hasselfeldt, dass das Ehrenamt von der Bundesregierung gefördert werden müsse. Denn für das Freiwillige Soziale Jahr und den Bundesfreiwilligendienst gebe es beim DRK viel mehr Bewerber als Stellen. „Bei uns übersteigt die Nachfrage von Bewerbern unsere Angebote um mehr als das Doppelte. Deshalb appellieren wir an die Bundesregierung, mehr Stellen für beide Programme zu schaffen und die notwendige Bundesförderung zu erhöhen“, sagte Hasselfeldt. „Diesen Weg sollten wir den jungen Menschen nicht vorhalten.“ Es sei auch ein guter Einstieg in Pflegeberufe.
Hilfsorganisationen fordern Materiallager für Krisenzeiten
Nach Ansicht des Deutschen Roten Kreuzes muss sich Deutschland zudem besser auf Katastrophen und unerwartete Ereignisse einstellen. Das DRK schlägt gemeinsam mit den anderen anerkannten Hilfsorganisationen ein Konzept zum nationalen Krisenmanagement vor. Demnach sollen zehn Materiallager in Deutschland etwa mit Betten, Zelten und medizinischen Produkten ausgestattet werden. Die Hilfsorganisationen wollen die Lager betreuen und dafür sorgen, dass das Material ständig in einwandfreiem Zustand und abrufbar ist. Das Material soll jeweils für 5.000 Menschen ausreichen, insgesamt also für 50.000. Die Gesamtkosten belaufen sich auf anfänglich 109 Millionen Euro.
„Deutschland sollte dieses Material vorhalten, um in Krisenzeiten darauf zurückgreifen zu können“, sagte Hasselfeldt. Dabei gehe es zum Beispiel um mögliche Epidemien, um Cyberangriffe auf Gesundheitseinrichtungen oder um Naturkatastrophen. „Bis in die 1990er-Jahre gab es solche Materiallager in Deutschland“, erklärte die DRK-Präsidentin. „In der Flüchtlingskrise konnten wir dann nicht mehr darauf zugreifen und mussten Feldbetten aus den USA und Kanada beschaffen, um den Menschen Schlafmöglichkeiten zu geben. Denn der europäische Markt war leergefegt.“
Darüber hinaus forderte Hasselfeldt eine Gleichstellung der Mitarbeiter des DRK mit den Mitarbeitern der Feuerwehr oder des Technischen Hilfsdienstes. Letztere seien zum Beispiel in Katastrophensituation von ihrer Arbeit freigestellt. Dies müsse überall in Deutschland auch für Mitarbeiter des DRK gelten. Bislang gebe es in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen. Zu befürworten seien auch bundeseinheitliche Regelungen für sogenannte Ehrenamtskarten, mit denen ehrenamtlich tätige Menschen Ermäßigungen zum Beispiel in Museen erhalten könnten. Auf diese Weise könne das Ehrenamt gestärkt werden, so Hasselfeldt.
Spenden an das DRK stiegen um eine Million Euro
Der Generalsekretär des DRK, Christian Reuter, erklärte, dass die wirtschaftliche Situation des Deutschen Roten Kreuzes rückläufig sei. „Das resultiert daraus, dass das DRK in den Jahren 2015 und 2016 in großem Maßstab im Rahmen der Flüchtlingskrise im Einsatz war“, so Reuter. Zum Beispiel habe der Bundesverband die beiden großen Warteräume für Flüchtlinge in Erding und Feldkirchen betrieben.
Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Spenden allerdings um eine Million Euro im Vergleich zum Vorjahr auf 36 Millionen Euro angestiegen. „Für eine Hilfsorganisation, die durch ihren Einsatz in Krisenzeiten bekannt ist, ist das in einem Jahr ohne Katastrophen ein gutes Ergebnis“, so Reuter.
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